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Im deutschen Reich · 1904-03-01 · Heft 3 (März 1904) · p. 155

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 3 (März 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-03-01
Page
155 (sequence 6)
Language
German
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Umschau. 155 kaffe nur 30 JO zu zahlen und der Beamte für das ganze Jahr nur 8 JO zuzulegen brauche. Er sagte: „Die Handwerker blerben bei den Leistungen unberücksichtigt; auch hier muß der Kleiderjude das Geld verdienen." Viel kann dieser dabci wol kaum verdienen, sicher weniger als an der antisemitischen Kundschaft jene „Kleiderjuden" verdienen, die durch ihre gutbezahlten Inserate den Fortbestand eines Blattes ermöglichen helfen, das täglich sie selbst beschimpft. Den Myrmidonen des Herrn Bruhn scheint alles gleichgiltig, wenn nur der Weizen des Antisemitismus und des Berliner antisemitischen Hauptorgans blübt. Ob die Handwerker und die mäßig besoldeten Beamten durch Wort und Schrift mit ihrer Lage immer unzufriedener und der täglichen Berufearbeit immer überdrüssiger gemacht werden, ob sie durch die Erkenntnis der Unfruchtbarkeit der „antisemitischen Mittelstandsretterei" schließlich der Sozialdemokratie zugeführt werden, das ist einem „Geschäftsantisemiten" ziemlich gleichgiltig. Was dabei herauskommt, zeigte sich deutlich in einer Beamten- Versammlung, die für den 2. Februar vom „Deutschen Antijemitenbunde" nach der Brauerei Friedrichehain in Berlin berufen war, wo die Abgg. Böckler und Werner alle möglichen berechtigten und unberechtigten Klagen der Beamten in einer aufreizenden Weise auftischten und schließlich auf keine andere Hilfe verwiesen als eine solche, die nur den Eindruck einer wüsten Reklame für den Anüsenntenbund und eines Abonnentenfangs für die Staatsbürger-Ztg. hinterlaffen konnte. Dieses demagogische Treiben wird namentlich dadurch begünstigt, daß die Satelllten Bruhns Reichstagsmandate besitzen, unter dem Schutze der parlamentarischen Immunität der Regierung in tönenden Phrasen wohlfeile Vorwürfe machen und sich dann in Volks- Versammlungen mit ihrem „Männerstolz vor Königsthronen" brüsten können. In einer in Schöneberg abgehaltenen Versammlung des Antisemitenbundes erklärte der Abgeordnete Böckler, die Herren Staatssekretäre hätten für den Mittelstand, das Handwerk, den Gewerbestand, die mittleren und kleinen Beamten em ablehnendes Wort, Gras Poiadowsky habe sich gegen die obligatorische Versicherung der selbstständigen Handwerker ausgesprochen, weil für diee eine solche Fürsorge unnötig sei. Der Staatssekretär vr. Nieder ding habe in gereiztem Tone erne neue Vorlage zur Sicherung der Bauhandwerker-Forderungen abgelehnt, weil die Herren Bureaukraten an Neuerungen nicht gern herangingen. Dem Staatssekretär Krätke habe er Vorhalten muffen, daß die Anstellung von Damen bei der Post die Brotstellen für Männer verringere, daß bei den Lieferungen für die Post der jüdische Kapitalist daS Fett abschöpfe. Das Alles werde nicht anders, als bis

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