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Im deutschen Reich · 1904-03-01 · Heft 3 (März 1904) · p. 154

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 3 (März 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-03-01
Page
154 (sequence 5)
Language
German
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154 Im deutschen Reich. verschiedensten Gattungen der „Mittelstandsrctter" ihnen immer wieder Kontributionen auferiegen und als Gegenleistung den diese freiwillige „Extrasteuer" Entrichtenden keine andere Hilfe in Aussicht stellen können als durch den Staat, der selbst kein Vermögen besitzt und nur diejenige Unterstützung leisten kann, die ihm die Leistungen der „unfreiwilligen" Steuerzahler ermöglichen. Die direkten wie die indirekten Steuern unterliegen aber bekanntlich dem Naturgesetz der Schwere; sie fallen merklich oderunmerklich immer wieder auf die breitesten Schichten der Gesellschaft zurück. Diese Wahrheit scheint aber zunächst noch ebenso verkannt zu werden, wie die, daß das Handwerk noch heute goldenen Boden hat, wenn es stch nicht im Vertrauen auf die ihm vorgemalten goldenen Berge der Staatohilfe auf eigene Füße stellt, sich die neuesten Fortschritte der Technik zu eigen macht und statt der in aufreizenden Vortragsversammlungen nutzlos gebrachten Opfer an Zeit und Geld, die Spargroschen für Dinge anlegen, die ihm die Hilfskräfte des Dampfes und der Elektiizität dienstbar machen. Es ist nicht zu verkennen, daß die Konkurrenz der Warenhäuser den Kampf der Handwerker ums Dasein eisckwcrt hat, aber der tüchtige Handwerker, insbesondere der Kunsthandwerker, hat noch immer ein großes Feld der Tätigkeit, wenn er feine Leistungen so vervollkommnet, daß er E'Zeugnisse schafft, die an Schönheit und Dauer die Massenfabrikations-Ware in den Schatten stellen und von der kapitalkräftigsten Kundschaft deshalb stets bevorzugt werden. Nicht das Handwerk, sondern der Kleinhandel und das Hausierwesen werden durch die Warenhäuser erdrückt, die, zuerst in Amerika. England und Frankreich von Nichtjuden ins Leben gerufen, zahlreiche kleine jüdische Gewerbetreibende weit empfindlicher schädigen als jene Handweiker, welche unter Einfluß antisemitischer Vorspiegelungen diese neue Form des Geschäfielebens als eine „jüdische" Einrichtung betrachten und in den verkehrtesten Maßregeln gegen diese neue Erscheinung den Anfang einer Rettung des Mittelstandes erblicken. Die antisemitischen Parlamentarier lasten weder im Reichstage noch im preußischen Abgeordnetenhaus den geringsten Anlaß vorübergehen, um über den Niedergang des Handwerks zu jammern und von einer Begünstigung der „jüdischen Warenhäuser" durch die oberen Kreise zu fabeln. Sie geraten aber immer in die größte Extase, wenn sie gar Gelegenheit zu dem Nachweise haben, daß für größere Beamteukreise Waren dort gekauft werden, wo sie. gut und billig zu haben sind. Bei der Beratung des Postetats im Reichstage ereiferte sich der Abg Böckler, als Hauptstütze der „Staatsbürger-Ztg.", darüber, daß die Kleidungsstücke, der Beamten so billig geliefert würden, daß die Reichs-

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