Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-03-01
- Page
- 152 (sequence 3)
- Language
- German
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152 Im deutschen Reich. Aeußerung ein, daß die Sozialdemokraten nur verhetzte Leute seien, vielleicht weil er hinzusetzte: „Meine Herren, Sie wissen, wie leicht es ist, Menschen zu verhetzen, die kein politisches Verständnis haben." Eine solche unumstößliche Wahrheit konnte dem Teil der deutschen Landwirtschaft, der im Zirkus Busch saß, nicht angenehm sein. Der Bund der Landwirte hat sich so tief mit den Leuten eingelassen, welche gewerbsmäßig „Menschen verhetzen, die kein politisches Verständnis" haben, daß seine Führer jetzt vielfach geschoben werden, wo sie zu schieben glauben. Bei der Rnchstagsersatzwahl in Esckwege-Schmalkalden war in den beteiligten Kreisen die Direktive des Bundes der Landwirte eine sehr zweifelhafte. Einerseits erklärte namens der Berliner Bundesleitung ein Herr Vogt im Eschweger Kreise den deutsch-sozialen Antisemiten Friedrich Raab, obgleich dieser sich früher wiederholt össenilich gegen die agrarischen Ansprüche ausgesprochen hatte, als Kandidaten des Bundes, andererseits brachte das „Eschweger Tageblatt" eine telegraphische Erklärung, daß der Bundesleitung von einer solchen Empfehlung nichts bekannt sei. Trotzdem sind dadurch dem Kompromiß. Kandidaten v. Christen viele Stimmen verloren gegangen. Auch bei anderen Gelegenheiten hat es sich schon gezeigt und wird es sich auch künftig zeigen, daß bei dem Bündnis zwischen den Agrariern und den Antisemiten nur diese letzten profitieren, die Unzufriedenheit der kleinen Grundbesitzer geschickt für ihre Parteizwecke ausnutzen und ihre agrarischen Gönner bei der scharfen Mandatenjagd nur mangelhaft unterstützen. Daß die Herren Dr. Diedrich Hahn und Dr. Oertel, die dabei ihre Reichstagsmandate eingebüßt haben, dies noch nicht einsehen, beweist nur. daß.auch sie zu den Leuten gehören, die „nichts lernen und nichts vergessen" können. Wer den Antisemiten den Finger reicht, dem nehmen sie die ganze Hand. Eirf Reichstagsabgeordneter, der welfische Vertreter des Wahlkreises Gandersheim - Holzminden, v. Damm, scheint dies noch rechtzeitig eingesehen zu haben. Auf eine Anfrage der „Braunschw. R. Nachrichten", ob er als Hospitant der von Liebermann von Sonnenberg geleiteten Wirtschaftlichen Vereinigung Antisemit geworden sei, erklärte er: „Zwischen der Wirtschaftlichen Vereinigung und mir besteht nur insofern eine Beziehung, als ich dieser bei der Wahl von Kommissionen meine Stimme zuzählen laffe, wogegen mir bisweilen ein Kommifstonssttz eingeräumt wird. Ohne eine solche Abmachung ist et für einen Wilden nicht möglich» im Reichstage eine nutzbringende Tätigkeit auszuüben. AuS der Abmachung erwachsen aber weder für mich'noch für die der Wirtschaftlichen Bereinigung angehörenden Parteien irgend