Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-03-01
- Page
- 151 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. 151 An die Eröffnungsrede des zweiten Bundesvorsitzenden Dr. Röstcke-Görsdorf schloß sich eine Philippika des bekannten Dr. Diedrich Hahn an, der seine Acußerungen über die Politik des Reichskanzlers zwar selbst als eine „ruhige Kritik" bezeichnete. aber bei der Empfehlung, die „Liebenswürdigkeiten zu lasten und große Kürassierstiefel anzuziehen", doch schließlich so bitter wurde, daß er es selbst für geraten erachtete, die anwesenden Vertreter der Preffe zu bitten, seinen Worten „keine demagogische" Bedeutung beizulegen. Daß er am Schluffe seiner Rede im Stile des antisemitisch-agrarischen' Witzlings Lrebermann von Sonnenberg vollständig einlenkte und dem angegriffenen leitenden Staatsmanne versöhnliche Worte widmete, machte den Eindruck unfreiwilliger Komik. In demselben Fahrwasser bewegten sich die Acußerungen des ebenso wie Dr. Hahn bei der Reichstagswahl durchgefallenen Dr. Oertel, des Redakteurs der antisemitisch-agrarischen „Deutschen Tageszeitung", der dem Kanzler als die einzig verläßliche Schutztruppe bei dem drohenden Umsturz die Partei der Großgrundbesitzer empfahl. Bekanntlich suchen auch die radikalen Antisemiten, welche doch durch Anreizung der Begehrlichkeit aller Kreise des Mittelstandes selbst die zufriedensten Bürger gegen die Regierung aufrcizen, diese durch das Schreckbild eines nahen Umsturzes einzuschüchtern und durch „Bangemackerr" ihre dunklen Ziele zu fördern. Vorher hatte bereits der Provinzial- Vorsitzende für Schleswig-Holstein. Graf Reventlow-Wulfshagen, in einem Vortroge über die „wirtschaftliche Lage* diese grau in grau gemalt und nicht nur für alle wirtschaftlichen Schäden die Börse haftbar zu machen gesucht, sondern auch die Gelegenheit benutzt, an den Rassenhaß zu appellieren. Als wolle er sich bei der durch feine abfälligen Aeußerungen über die Pückler-Dersammlungen geärgerten „Staatsbürger-Zeitung" wieder rehabilitieren, sagte er, die Börsenpolirik sei nur möglich, weil hinter der Börse die Preffe einer gewissen Rasse stehe. Für die Landwitte gelte es den Kampf gegen das internationale Judenkapital, gegen den internationalen Schwindel, den Kampf für unsere „deutsche, nationale, schaffende Arbeit!" Bon den übrigen Rednern Aßmann-Holzengel, Schrempf-Stuttgart, Bund-Wackau und Kammerherr von Oldenburg-Janujchau vermochte nur der letztere lebhaften Beifall zu entfesseln, weil er sich in drastischer Weise ebenso gegen die für die Handelsverträge zugänglichen Konservativen als auch gegen die Sozialdemokratie wandte. Als er die Phrasen losließ: „An die Wand mit diesem Zolltarif!" und „DaS Herz der deutschen Landwirtschaft schlagt im ZirkuS Busch!* ertönte stürmischer Beifall. Weit minder schlug seine