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Im deutschen Reich · 1904-03-01 · Heft 3 (März 1904) · p. 150

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 3 (März 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-03-01
Page
150 (sequence 1)
Language
German
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150 Im deutscher, Reich. Umschau. Hjpjie der Wert großer militärischer Schaustellungen für die ernste Kriegführung von Fachmännern jetzt bei weitem nicht mehr so hoch wie ehemals veranschlagt wird, so legt man auch im politischen Leben den Parteitagen und Kongressen nicht mehr die frühere Bedeutung bei. Es kommt dies daher, daß erfahrungsmäßig nur die geschickteste Veranstaltung und festeste Leitung es bei öffentlichen Massenkundgebungen verhüten kann, daß die schwächsten Seiten einer Sache deutlicher zu Tage treten als ihre Stärke. Der Eindruck des Massenhaften verliert feine Wirkung, wenn nicht eine hohe Bedeutung der Einzelleistungen und eine geschickte Inszenierung diesen Eindruck besser festigen als große Worte es zu tun vermögen. Die „agrarische Heerschau", welche der „Bund der Landwirte" wie alljährlich gm diese Zeit auch in dem verflossenen Monat in dem Zirkus Busch veranstaltete, bot ähnlich wie der sozialdemokratische Parteitag in Dresden hinreichendkn Anlaß zu solchen Betrachtungen. War auch der geräumige Rundbau säst bis auf den letzten Platz gefüllt, so konnten die anwesenden drei- oder viertausend Versammlungsteilnehmer doch nur als eine schwache Vertretung einer Gesamtheit der vielen Tausende gelten, welche der „Bund der Landwirte"' zu seinem Anhang zu rechnen pflegt. Es konnte dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen, daß den radikalsten Elementen des Bundes mehr und. mehr das Feld überlassen bleibt. Die eigentlichen parlamentarischen Stützen dieser großen Vereinigung, welche nicht nur die Klinke der Gesetzgebung an der Hand haben, sondern auch sonst großen Einfluß besitzen, beteiligen sich an der öffentlichen Heerschau von Jahr zu Jahr weniger und fehlten diesmal fast vollständig. Die Grafen Kanitz, Limburg und Mirbach, Herr von Kröcher u. a. m. waren nicht anwesend, und erst ziemlich spät stellte sich der erste Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Bundes, Freiherr von Wangen« heim-Kl.-Spiegel. ein, um zum Kampfe für die gemeinsamen nationalen Interessen aufzufordern, die, wie er sagte, mit denen der Landwirtschaft identisch seien. Durch das Fernbleiben deS rechten Flügels war den radikalen Elementen des Bundes die erwünschte Möglichkeit gegeben, die Interessen der Landwirtschaft mit dem antisemitischen Parteiprogramm vollständig zu verquicken und dabet einen Ton anzuschlagen, der vierfach an den antisemitischer Parteiversammlungen lebhaft erinnerte.

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