Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- Zum Andenken an Matthias Jakob Schleiden
- Date
- 1904-03-01
- Page
- 141 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Zum Andenken an Matthias Jakob Schleiden. 141 leiteten Organ und von so autoritativer Seite der Gegenstand überhaupt behandelt und dazu in einem von Liebe und Begeisterung eingegebenen Ton von einem Nichtjuden und einem namhaften Vertreter der profanen Wissenschaften erörtert wurde. Gewiß bedarf unsere Sache keiner Apologie und keines Apologeten. Die Geschichte des Judentums spricht auf jedem Blatte und in jeder Zeile für sich selbst;**) ihre Märtyer sind ihre eigentlichen und unanfechtbaren Kronzeugen. Dennoch erscheint auch heute die Freude begreiflich, welche der genannte Artikel erzeugte, und es darf nicht wundernehmen, daß er das Herz jedes Juden höher schlagen machte. Auch der eifrigste Jude und Freund unserer Sache hätte nicht so begeistert und begeisternd für uns eintreten können, wie das der große und weltberühmte Gelehrte M. I. Schleiden durch den erwähnten Aufsatz getan hat. Eine Großtat ersten Ranges bildete er, gerade wegen der eigenartigen SteUung des Berfasiers und des von diesem gewählten Publikutionsortes. Ich kann bestätigen, daß Schleidens Artikel nicht geringes Aufsehen auch in nichtjüdischen Kreisen erregte, denen ja Altbekanntes zum größten Teil damit erst als neu gesagt worden ist und leider gesagt werden mußte. Es unterliegt keinem Zweifel, daß erst nach und infolge dieser Veröffentlichung einem großen Teile des gebildeten Publikums eine Ahnung von der Bedeutung der Juden für die Kulturgeschichte der Menschheit gekommen ist. **j Mögen bei dieser Gelegenheit hier noch zwei Zeugnisie Platz finden, aus der Feder von Männern, die, ursprünglich unsere Glaubensgenossen, spater der Sache des Judentums untreu geworden find, deren Meinung aber trotzdem oder vielleicht gerade darum Beachtung verdient. P. Cafse. der nachmalige Prediger an der Christuskirche in Berlin, beginnt seinen berühmten hisrorischen Artikel, den er für die Ersch und Grvber'sche El cyclopadie, allerdings noch als ungetanster Selig E., geschrieben hat, mit folgenden Worten (l. c. Section II. Teil XXVII, Leipzig 1850, F. A. Brockhaus): „Die Schicksale der Juden gehören zu den außerordentlichen der Weltgeschichte: solche wachsen eben nur aus außerordentlichen Motiven. Die größten Jntereffen, die großartigsten Leidenschaften boten den Stoff zu dem Drama ihrer Geschichte; wie die Kämpfe, die Leiden, die Erfahrungen der jüdischen Nation unvergleichliche sind, so auch ihre Standhaftigkeit, ihre Treue für nationales Gesetz, ihre Begeisterung für Glauben und Gedanken, wie sie in der Zerstreuung über den ganzen Erdboden an sich selbst eine statistische Weltkarte bilden, auf der sich dre Farben des Klimas und der Zonen abzeichnen, so hat auch die Welt, geschichte in der bunten Fülle ihrer geistigen Produktion keine Aeußerung, an der sich die elastische, unverwüstliche Tätigkeit der Juden nicht beteiligt hätte, und wie die Liebe, der Enthusiasmus, den sie für ihre Güter befaßen.