Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- Zum Andenken an Matthias Jakob Schleiden
- Date
- 1904-03-01
- Page
- 140 (sequence 2)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. ■KO wie Malpighi, Hooke u. A. haben die Zelle beobachtet. Schleiden kommt aber das unsterbliche Veidienst zu, die Zelle als das eigentliche Formelement der Pflanze erkannt zu haben, als den Elementarorganismus, auf dem sich der pflanzliche Leib aufbaut und in welchem der Makrokosmus „Pflanze" feinen „Mikrokosmus" d. h. ein Bild aller Vorgänge der Entwickelung, Ernährung usw. besitzt, die die Existenz, das Leben der Pflanze bedingen. Mit dieser Entdeckung ist Scdleiden ein Mitbegründer der neueren Naiurwiffenschaft geworren, die ihm die Kenntnis einer ihrer wichtigsten Tatsachen verdankt. Auf ihrem Grunde erst konnte Theodor Schwann die tierische Zellenlehre aufbauen, die weiter nichts ist als eine Uebertrogung der Schleidenschcn Entdeckung auf den Tierleib, und weiter hat dann Rudolf Dirchow seine populärste Schöpfung, die Cellularpathologie, zugleich die Schöpferin seines Weltruhmes, daran knüpfen können. Virchow ist also der mittelbare Nachfolger von Schleiden geworden und steht mit seinen Leistungen durchaus auf deffen Schultern. Doch nicht dem Botaniker Schleiden sollen diese Zeilen gelten. Was vielmehr das Andenken an diesen Mann jedem Juden lieb und wert wachen sollte, ist sein wackeres, mannhaftes Eintreten für unsere Religion und unsere Geschichte zu einer Zeit, wo die Wogen der antisemitischen Flut am fernen Horizont bereits austutauchen begannen. — Bald ist es ein Menschenalter her, daß Schreiber dieser Zeilen als ganz junger Arzt nach einem neumärkischen Städtchen zur Vertretung eines älteren BerufSgenoffeu verschlagen wurde. Dort war es, wo er in einer befreundeten jüdischen Familie von der gebildeten Frau des Hauses auf einen soeben in „Westermanns illustrierten deutschen Monatsheften" erschienenen Aussatz über „die Bedeutung der Juden für Erhaltung und Wiederbelebung der Wissenschaften im Mittelalter" aufmerksam gemacht wurde. Verfaffer dieses Aufsatzes war kein Geringerer als der genannte Matthias Jakob Schleiden. Noch erinnere ich mich des freudig erregenden und geradezu überwältigenden Eindrucks, den die Lektüre hinterlieh. Nicht wegen des eigentlichen Inhalts; denn dieser bot weder den Reiz der Neuheit noch war er in allen seinen Einzelheiten unanfechtbar.*) Wohl aber durfte es imponieren, daß in einem so hervorragenden, damals, wenn ich nicht irre, von Spielhagen ge- *) Auf einige irrtümliche, übrigens Tendenz und Wert des Aufsatzes als Ganzer betrachtet nicht im geringsten beeinträchtigende Angaben hat der Veteran unserer Wisienschast, Prof. Moritz Steinschneider im „Magazin für di« Wiffenschaft d. Zudeni." 1888, H. 8./»., S. 289 fl, hingewiesen.