Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- Jahresbericht
- Date
- 1904-03-01
- Page
- 137 (sequence 9)
- Language
- German
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Jahresbericht 137 Verhandlungen über den deutsch-russischen Handelsvertrag zu gedenken. Wir haben uns an die Handelskammern gewandt, und die haben, ich kann wohl sagen fast ausnahmslos, auf unsere D ranlassung Petitionen an die Reichsregierung gerichtet, um bei dem nächsten deutsch-russischen Handelsvertrag die Schmach abzuwenden, unter der unsere jüdischen Handlungsreisenden jetzt leiden, wenn sie nach Rußland kommen wollen, daß differenziirt wird zwischen jüdischen deutschen Staatsbürgern und anderen deutschen Staatsbürgern, eine Unterscheidung, die nach unserer Auffassung eine Schmach für das Ansehen des deutschen Reiches ist, das sich dies bieten läßt (Zustimmung und Beifall); und, so sehr vom Kulturstandpunkte im allgemeinen ein Krieg zu bedauern ist: vielleicht wird der jetzt ausgebrochene Krieg das eine Gute haben, daß die Japaner, wenn sie nichts anderes nach Rußland bringen, vielleicht etwas von ihrer Kultur dem europäischen Lande Rußland bieten werden. (Lebhafter Beifall.) Zum Schluß laffen Sie mich noch kurz die Wahlen erwähnen. Wir haben in diesem letzten Jahre bekanntlich Wahlen in Hülle und Fülle gehabt, und heute sollen Sie auch noch solche haben. (Heiterkeit.) Wir hatten in Berlin Stadtverordneten-Wahlen, die — von unserem Standpunkt aus interessiert ja weiter nichts — das überaus günstige Ergebnis hatten, daß der letzte Antisemit aus der Berliner Stadtverordneten-Versammlung verschwunden ist (Beifall), und es gereicht mir zur Genugtuung, daß ein fast gleich günstiges Resultat vor ganz kurzer Zeit bei den Bürgerschaftswahlen in Hamburg erzielt ist. Der dortige Stadtverordnete Raab — wie Pretzel in Berlin die letzte, so in Hamburg die vorletzte Säule des Antisemitismus — ist nicht mehr hineingewählt worden. Dieser Raab steht jetzt bei der Reichstagsersatzwahl in Eschwege - Schmalkalden zur Stichwahl mit einem Sozialdemokraten. Ich habe zu häufigen Malen angeführt, daß wir für politische Wahlen nur eine Devise kennen: gegen den Antisemiten. Sie wissen, daß wirkeine politische Partei sind und alles, was danach ausschauen könnte, ängstlich vermeiden wollen. Dagegen haben wir natürlich das Bestreben, in unserem und in des deutschen Volkes Interesse die Schmach abzuwenden, daß Leute in den Reichstag kommen, die nichts sind als Antisemiten, und nichts weiter sein wollen. (Zuruf: Können!) Deshalb kann es für uns nicht das geringste Bedenken geben, daß überall, wo ein Antisemit zur Stichwahl steht, der Gegner des Antisemiten, welcher Partei immer er angehören möge* der Mann unserer Wahl ist (Beifall), und es wird sich jetzt die