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Im deutschen Reich · 1904-03-01 · Heft 3 (März 1904) · p. 136

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 3 (März 1904)
Article
Jahresbericht
Date
1904-03-01
Page
136 (sequence 8)
Language
German
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136 Im deutschen Reich. Es ist dann weiter zu erwähnen die Angelegenheit jüdischer Fortbildungsschüler, bezüglich deren der Handelsminister auf unsere Veranlassung durch Rundschreiben angeordnet hat, daß denjenigen Meistern, deren Lehrlinge an den Feiertagen und Sabbathen nicht an dem Fortbildungsunterricht teilzunehmen wünschten, auf Antrag die Dispensation erteilt werden müsse. Wir haben uns an den Präsidenten der Ansiedelungskommission für die Provinz Posen gewandt, weil uns mitgeteilt wurde, daß ein mildtätiger Mann die Volksbibliotheken, die die Ansiedelungskommission ins Leben gerufen hat, mit antisemitischen Büchern, insbesondere einem Buch von Glaubrecht „Das deutsche Volk und seine Treiber" versehen hat. Diese freundliche Gabe wird künftig, wie uns mitgeteilt wird, keine Aufnahme mehr finden, und insoweit solche Bücher in den Bibliotheken vorhanden waren, sind sie von dort entfernt worden. Wir haben uns beschwerdeführend an die Vadedirektion Binz gewandt, weil unsere Glaubensgenossen beleidigt wurden durch antisemitische stegelhafte Aeußerungen in den Vadekabinen und an sonstigen. öffentlichen Orten. Auch dort ist sofort Remedur geschaffen worden. Wir haben die Verlegung der Märkte an den höchsten Feiertagen in Anregung gebracht und erzielt. Wir haben wiederholt uns mit Erfolg beschwerdeführend an die Militärbehörden gewendet. Wir sind vor allen Dingen tätig gewesen in der Schacht-Angelegenheit, mit der wir uns, ganz abgesehen von dem religiösen Standpunkt des einzelnen, dauernd befassen, weil eben sehr viele unserer Glaubensgenossen in ihrem Gewissen bedrängt werden, wenn ihnen die Möglichkeit, geschachtetes Vieh zu genießen, entzogen wird. Ich habe erst kürzlich darüber berichtet, daß die Schächt-Angelegenheiten in Angermünde und Potsdam noch in der Schwebe sind. Wir sind in Angermünde dabei, die Juden ein eigenes Schlachthaus begründen zu lassen, und zweifeln nicht, daß, wenn das durchgeführt sein wird, gar manche Stadtverwaltung sich überlegen wird, ob es nicht sachgemäßer ist, Staatsbürger in Ausübung ihrer Religion nicht zu bedrücken und dauernd die Einnahmen aus den Schlachtungen zu erzielen, als sich zu Gewiflensbedrängern der Juden zu machen und vor allen Dingen die Stadtfinanzen dabei zu schädigen. Es fördert die liberale Gesinnung 'solcher Stadtverwaltungen ungemein, wenn die Finanzen dabei in Mitleidenschaft geraten. (Heiterkeit.) Ich kann nicht umhin, noch des Eingreifens bezüglich der

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