Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- Jahresbericht
- Date
- 1904-03-01
- Page
- 138 (sequence 10)
- Language
- German
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138 Im deutschen Reich. Gelegenheit zeigen, die Probe auss Exempel zu machen mit der Freisinnigen Volkspartei. (Lebhafte Zustimmung.) Es ist in diesen Räumen seinerzeit über das Verhalten der Freisinnigen Volkspartei reichlich gesprochen worden, vielleicht zu reichlich. Es ist, ich weiß nicht durch «eichen Irrtum, bei manchen der Glaube entstanden, als wenn wir spezielle Beziehungen gerade zu dieser Partei hätten. Unser Verein als solcher hat Beziehungen zu jeder Partei, die uns in unseren Rechten als Juden und Staatsbürger schützen will (Zustimmung und Beifall), sei es welche Partei auch immer. Denn wir sind keine politische Partei. (Sehr richtig!) Wir haben aber geglaubt, auch die Freisinnige Partei in Schutz nehmen zu müssen gegen den Vorwurf, daß in ihr antisemitische Tendenzen sich breit machen könnten, weil wir überzeugt waren, daß dieser Vorwurf ein unbegründeter war. Jetzt ist der Freisinnigen Volkspartei, die inzwischen wiederholt gezeigt hat, daß sie bereit ist, die Rechte der Juden zu schützen, jetzt schon bei der kurzen Dauer der parlamentarischen Tagung in Reichstag und Landtag, die Gelegenheit geboten, zu zeigen, ob sie bei aller sonstigen politischen Abneigung gegen die Sozialdemokraten bereit ist, das Ihrige zu tun, damit nicht der Antisemit gewählt werde. Wir werden nicht zögern, den Wechsel, der ausgestellt ist, zu präsentieren und zu warten, ob er eingelöst werden wird. (Beifall.) Was die sonstigen Wahlen betrifft, so wissen Sie ja: es sind jetzt im Landtag 7 jüdische Abgeordnete. Ich muß für mich persönlich bekennen: ich lege nicht einen entscheidenden Wert daraus, ob gerade so und so viele Juden drin sind, wenn nur wenigstens so viele Juden, die sich als solche fühlen, im Parlamente sind, daß sie bereit sind, bei jeder Gelegenheit für unsere Rechte einzutreten (Zustimmung), und. leider Gottes wiffen Sie ja, nicht jeder Jude ist Jude in unserem Sinne. (Zuruf: Leider!) Daß es dahin kommen muß, daß die Juden alle sich als Juden fühlen, sich bewußt werden ihrer Pflicht als Wische Staatsbürger und sich bewußt werden der erhöhten Pflicht als solcher, sobald sie von ihren Mitbürgern ein Mandat für das Parlament bekommen, das ist ein Ziel, dem auch unser Verein entgegenstrebt. Im Reichstag, wissen Sie ja, ist das Resultat der Wahlen, daß die antisemitische Fraktion immerhin Einbuße erlitten hat, daß —- und ich möchte das nicht ganz gering, schätzen — namentlich die Führer des Bundes der Landwirte nicht wiedergewählt sind, die zwar angeblich nur landwirtschaftliche Interessen vertreten, von denen wir uus aber sagen müssen, daß sie gleichzeitig reine Anti-