Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- Jahresbericht
- Date
- 1904-03-01
- Page
- 133 (sequence 5)
- Language
- German
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Jahresbericht. 133 die geistigen Urheber, soweit man von Geist dabei sprechen kann (Heiterkeit), sind ja zweifellos oft andere, möglicherweise auch der Rechtsanwalt Jüngst in Berlin, der erst jüngst wieder einer Bestrafung entronnen ist, weil sich seine Mittäterschaft nicht Nachweisen ließ. — Herr Koch aber hat wegen Religionsbeschimpfung einmal sechs Monate und einmal vierzehn Tage Gefängnis verbüßen müssen. Die Tätigkeit der Überwachung von Preßerzeugnissen ist im ganzen nach dieser Richtung hin eine etwas langweilige geworden, seit der Belustigungsrat Graf Pückler seine Tätigkeit hier eingestellt hat (Heiterkeit), — aus dem letzten Jahre hat er noch einige Bestrafungen zu verzeichnen: 450 M., 60 M., sechs Wochen Gefängnis, die im Gnadenwege in ebensolange Festungshaft umgewandelt wurden, außerdem zwei weitere Monate Festungshaft. Es ist Ihnen vielleicht noch erinnerlich, daß er es verstanden hat, sogar während der Verbüßung der Strafhaft in Weichselmünde an einem Diner in Danzig teilzunehmen (Heiterkeit), an dem außer ihm noch einige Minister sich beteiligt haben. Es soll übrigens, wie berichtet wird, die Direktion des Festungsgefängnisses keinerlei Schuld an diesem Vorgänge treffen. Pückler soll lediglich auf einen Tag Urlaub genommen haben, wie er auch anderen Festungsgefangenen öfter erteilt wird, und diese Zeit benutzte er, um, ebenfalls ohne Verschulden der Veranstalter jener Festlichkeit und ohne Verschulden der Minister, die von der Anwesenheit des Herrn nichts gewußt haben sollen, sich zu jenem Festmahle zu begeben. Von den Freunden des Herrn Pückler, ich möchte sagen von den Impresarien desselben, hat Herr Vruhn augenblicklich nicht mehr Gelegenheit, sich öffentlich zu betätigen, weil er eine, wenn auch wahrscheinlich lebhafte Tätigkeit im stillen Kämmerlein vollführt. Er hat seine sechs Monate augenblicklich abzubüßen, während sein Freund Böttcher ein ganzes Jahr lang über die Nichtswürdigkeit des Central-Vereins und der preußischen Richter nachzudenken hat. Es hat noch ihr Gesinnungsgenosse Herr Krösell zwar nicht eine eigentliche Strafe bekommen, aber, wenn man will, Strafe genug, denn er ist veranlaßt worden, sein Amt sozusagen freiwillig auszugeben» wohl nur schwach entschädigt durch das Reichstagsmandat, das ihm, wie sich nicht verkennen läßt, durch sozialdemokratische Hilfe zuteil geworden ist. Im allgemeinen ist ja bei den Herren, wenn sie nur ein Mandat haben, der höchste Wunsch gestillt; was ihnen sonst widerfährt, ist nebensächlich. Daß von Herrn Krösell in öffentlicher Ver-