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Im deutschen Reich · 1904-03-01 · Heft 3 (März 1904) · p. 128

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 3 (März 1904)
Article
Eschwege-Schmalkalden
Date
1904-03-01
Page
128 (sequence 4)
Language
German
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138 Im deutschen Reich. Erfolglosigkeit ihres Eingreifens doch sich der Parole nicht enthalten haben würde. Für diesen Exzeß der Ehrlichkeit fehlt uns das Verständnis. Man ist nicht unehrlich, wenn man seiner wahren Meinung auch da Ausdruck gibt, wo ein Erfolg nicht in Aussicht steht. Wäre ein solcher in Eschwege-Schmalkaldcn selbst ausgeschlossen gewesen: in keinem Fall würde nach unserem Dafürhalten die Ausgabe einer Parole: „Gegen den Antisemiten und Reaktionär" dem Interesse einer liberalen Partei haben schaden können. Denn in allen Lebenslagen handelt nicht nur am korrektesten, sondern auch am klügsten, wer sein Verhalten mehr nach den berechtigten Erwartungen bewährter Freunde, als nach der Rücksicht auf Anfeindungen der Gegner einrichtct. Müssen wir hiernach die Taktik, welche die Leitung der freisinnigen Dolksyartei beobachtet hat, von jedem Gesichtspunkt aus rückhaltlos verurteilen, so verkennen wir doch nicht, baß es eben nur Fragen der Taktik find, in denen nach unsrer Auffasiung die Leitung der Volkepartei gefehlt hat; der Vorwurf des Antisemitismus aber, der deshalb gegen sie erhoben wird, entbehrt ebenso der Begründung, wie der uns gemachte Vorwurf, daß wir vor den Wahlen uns nicht mit in das Schlepptau ihrer Gegner haben nehmen lassen. Wir sind nach wie vor von der Ucberzeugung durchdrungen, daß die liberalen Parteien nicht antisemitisch sind, schon weil sie es ihrem Wesen nach nicht sein können, ebenso, wie uns das Verhalten der Sozialdemokraten in dem Falle Prctzcl nicht in der Ucberzeugung wankend machen konnte, daß auch die Sozialdemokratie unmöglich antisemitisch sein kann. In die politischen Streitigkeiten derjenigen Parteien, welche Gegner des Antisemitismus sind, mischen wir uns grundsätzlich nicht ein; wir haben keine andere politische Losung, als: gegen dm Antisemitismus. Uns als Verein muß jede Partei willkommen sein, welche den Antisemitismus, diesen größten Feind aller Freiheit, aller Kultur, und damit auch unserer Rechte, bekämpft. Als im Reichstage Herr Liebermann von Sonnenberg einen Trumps auszuspielen glaubte, indem er mitteilte, der Zentralverein habe die Kandidatur des SoziMemokraten unterstützt, wurde ein „hört, hört!" gerufen. Hätten wir zur Wahl eines Raab, eines Liebermann, eines Berckel unsere Glaubensgenossen aufgefordert, so wäre mit größerer Berechtigung „pfui" gerufen worden. Uns von der Volkspartei deshalb abzuwenden, weil sie sich in ihrem Verfahren in dem hier erörterten Falle vergriffm hat, haben wir keinen Anlaß, zumal sie dabei leider in der Haltung eines Teiles unserer eigenen Glaubensgenossen eine Art Rückhalt gefunden hat. Eine Lehre muß auch aus dieser Angelegenheit entnommen

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