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Im deutschen Reich · 1904-02-01 · Heft 2 (Februar 1904) · p. 113

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 2 (Februar 1904)
Article
Berlin / A. L.
Date
1904-02-01
Page
113 (sequence 4)
Language
German
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Kinrt’juonDmjtm. 113 noch ein weiterer Beweis vor. Am 13. Januar veröffentlichte die „Deutsche Hochwacht" einen Brief des Kaufmanns I. MandewirL aus Trier, in welchem dieser behauptete, sein früherer jüdischer Buchhalter Gotthold Blatt aus Troppau, den er wegen falscher Buchungen und Unterschlagungen entlassen und nur deshalb nicht dem Staatsanwalt übergeben habe, weil er flüchtig geworden sei, etabliere am I. April in Zweibrücken ein Manufaktur- und Kurzwarengeschäft. Da er es verstehen werde, bei leichtgläubigen christlichen Lieferanten, die in dem Namen Gotthold Blatt einen Juden nicht vermuten würden, Jrrtümer hervorzurufen,, möchte die „Hochwacht" zur Bekanntmachung obiger Tatsachen beitragen. „Was hiermit geschieht," fügt die Schriftleitung hinzu. — Wir haben festgesteüt, daß Gotthold Blatt, geb. am 7. Februar 1881 in Troppau, als er in der Zeit vom 18. Oktober 1903 bis zum 2. Januar d. I. in dem Geschäft von I. Mandewirt in Trier als Buchhalter fungierte, bei der Polizei als „evangelisch" angemeldet war, daß von Leuten in Trier, die es wissen müssen, erklärt wird, Blatt sei ebenso wie Mandewirt evangelisch, und dieser, der als entschiedener Antisemit „Judenkarten" und ähnliche Sachen verbreite, würde keinen Juden geschont und sich mit seiner Entlassung begnügt, sondern sofort der Behörde übergeben haben, wenn er nachweislich Unterschlagungen begangen hätte. Um sich eines Konkurrenten zu erwehren, macht er ihn also nachträglich zum Juden und die „Hochwacht" leiht ihm dazu ihren Beistand. — Die Juden muffen doch selbst sehr selten Anlaß zu Beschuldigungen geben; denn sonst könnten die Antisemiten sich die Mühe ersparen, viele ihnen mißliebige Christen „künstlich zu verjuden"! Wie die „Smatsbürger-Ztg." berichtet, hat in der am 15. Januar abgehaltenen Versammlung des „Deutschen Dürgervereins Hohenzollern" Pastor Schmidt in einem Vorträge über das Thema: „Der neue Landtag und dessen Aufgaben" die nachstehende, geistreiche Bemerkung gemacht: „Wenn für die jüdischen Abgeordneten in ihrer Presse eine furchtbare Reklame gemacht und gefordert werde, daß im preußischen Abgeordnetenhaus jüdische Politik getrieben werden soll, so beweise das die Unfähigkeit des Judentums, ein Parlament tarisches Amt. zu bekleiden. Jeder denkende Mensch müsse durch das Auftreten des Judentums unbedingt zum Antisemiten gemacht werden." — Die Lorbeeren der Herren Pastoren Jökraut, Krösell und Genossen scheinen dem Herrn Pastor Schmidt den Schlaf zu rauben. In diesen Tagen verstarb in Berlin der fast vollständig verschollene Schneider Grüneberg, der trotz seiner Dorbestrafung wegen Unterschlagung in den Frühlingstagen der antisemitischen Bewegung

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