Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1904)
- Article
- Berlin / A. L.
- Date
- 1904-02-01
- Page
- 112 (sequence 3)
- Language
- German
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112 Im deutschen Reich. kein einziger jüdischer Jurist in Preußen irgendwelche Beförderung erfahren halte. Das ist eine Tatsache, die zur Genüge zeigt, wie auf diesem Gebiete in den letzten Jahrzehnten die konfessionelle Gleichberechtigung verstanden wurde. Der am 10. d. Mts. abgehaltenen Repräsentanten-Versammlung der hiesigen jüdischen Gemeinde ging eine Feier des 25)jährigen Amtsjubiläums des Vorsitzenden des Gemeinde-Vorstands, Herrn Julius Jacobp, voraus, Der Jubilar wurde unter den Klängen eines von dem Chor der Lindenstraße - Synagoge vorgetragenen Liedes in den Saal geleitet, dort von dem Vorsitzenden der Repräsentanten, Herrn Löwenberg, im Namen des Repräsentanten-Kollegiums beglückwünscht, worauf namens des Gemeinde-Vorstands Herr Martin Simon der vielfachen Verdienste des Jubilars um die Gemeindeverwaltung gedachte. Herr Geheimer Sanitätsrat vr. Blumenthal gab dem Dank aller Mitarbeiter Ausdruck für die von Herrn Jacoby auf allen G bieten der Gemeindetätigkeit. Unter abermaligem Chorges.ng fiel dann die Hülle von dem von Herrn Professor Hugo Vogel gemalten Portrait des Jubilars. Mit herzlichen Dankesworten des Jubilars nahm die eindrucksvolle Feier ihr Ende. Das Organ der Großmeister des antisemitischen „Deutschen Volkobundev" in der Rosenthaler Straße, der Herren Hans v. Mosch, Professor Dr. Förster und Rechtsanwalt Jüngst, die „Deutsche Hochwacht", veröffentlichte am 19. Januar einen angeblich dem Organ deö Gärtnerbundes entlehnten heftigen Angriff auf den „Orientalen" Peterfeim in Erfurt, „der Araucarien an Private zu Schleuderpreisen verkaufte und als „souveräner Hebräer" zu seinen Erfolgen von dem Reichskanzler beglückwünscht worden sei, so daß die tüchtige Gältnerarbeit in diesem geschästsgewandten Vertreter der andern Rasse ihren Meister gefunden habe . . ." Daran knüpft die „Hochwacht" die Bemerkung, daß der Jude in allen Gewerben der Träger der Zersetzung sei und nun auch die schöne deutsche Gärtnerei durch jüdische Mammonssucht herabgedrückt werde. — Wir haben fernen Anlaß, zu prüfen, ob das geschäftliche Gebahren des großen Erfurter Blumengärtners M. Peterseim seinen Konkurrenten gerechten Grund zur Klage gibt oder nicht, stellen aber auf Grund zuverlässtger Auskunft aus Erfurt fest, daß Herr Peterseim weder Jude ist noch von Juden stammt. Dabei zeigt sich wieder in eklatanter Weise, wie die Antisemiten ohne weiteres jeden, der sich bei andern irgendwie in begründeter oder unbegründeter Art mißliebig macht, den Juden an den Rockschoß zu heften suchen. — Für die Befolgung dieser Grundzahl findet sich in demselben antisemitischen Blatte