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Im deutschen Reich · 1904-02-01 · Heft 2 (Februar 1904) · p. 92

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 2 (Februar 1904)
Article
Der Ewige Jude - kein Jude!
Date
1904-02-01
Page
92 (sequence 7)
Language
German
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92 Fm deutschen Reich. Ewige Jüdin bei, die bekannte Herodias, welche den Tod Johannes des Täufers verschuldete. Beide erlöst ein edler christlicher Priester. Sue legt dem verscheidenden Ahasver die prophetischen Worte in den Mund: ,Meine Nachkommen waren die letzten Märtyrer, die von jenen Mit chuldigen jeder Knechtung geopfert wurden. Ja, das Ende jener falschen Priester nahet, die der unbarmherzigen Selbst'ucht des Starken gegen den Schwachen Beistand leihen^ die die Stirn des gedemütigten, ungebildeten Menschen zur Erde beugen wollen. Nein, er erhebe stolz seine Stirn, denn Gott schuf ihn, damit er verständig, frei und glücklich sei. Stirb in Frieren, Schwester, die Morgenröte eines großen Tages erglänzt; die Sonne geht auf —-Gott sei gepriesen!" Damit ist die Reihe der Poeten, die sich des unheimlichen Stoffes bemäckügten, so ziemlich erschöpft, aber bei weitem nicht die der Gelehrten, welche die Sonde der Kritik an die rätselhafte Sage legten. Dabei ergiebt sich, daß die letztere weder christlich noch jüdisch, sondern urgermanisch ist. Das Neue Testament enthält nicht die geringste Andeutung eines ähnlichen Vorganges, trotzdem die Evangelisten den Leidesgang Jesu bis in die kleinste Einzelheit schildern. Einzelne Forscher weisen auf den Satz hin, der sich bei Johannes 21, 20 findet, wo Jesus von seinem Jünger sagt: „So ich will, daß er bleibe, brs ich komme; was geht es Dich an? Da ging eine Rede unter den Brüdern: Dieser Jünger stirbt nichr!" Während Teitullian im zweiten Jahrhundert das Fortleben des Johannes anzweifelt, berichtet der Kirchenlehrer Sulpicius Severus um das Jahr 400 von einem Menschen, der sich im Orient für den Apostel Johannes ausgegtben habe. Im 15. Jahrhundert versuchte der by antinische Gelehrte Georg von Trebisonde den Nachweis zu führen, daß Johannes noch lebe. Daraus könnte man allerdings schließen, daß die Sage von dem ewigen Wanderer christllchen Ursprungs sei. Noch mehr nähert sich der Ahasver-Sage die Erzählung des im Jahr 407 gestorbenen Chrysostomus von dem zur Strafe für einen gegen Jesus geführten Streich fortlcbenden Malchus, deren auch der berühmte Kirchenlehrer des Mittelalters, Thomas von Aquino, gedenkt. Immerhin scheint es aber doch sehr zweifelhaft, ob und wie aus dem zur Belohnung am Leben gelassenen Apostel Johannes und aus dem zur Strafe vom Tode verschont gebliebenen Malchus die tragische Figur des Ewigen Juden entstanden ist. Ich kann mich deshalb nicht der Annahme des Or. L. Neubauer in Ebing anschließen, der in einer mit dem Aufwande großer Gelehrsamkeit geführten Untersuchung die Entstehung deS Urbildes des Ewigen Juden in dieser Weise zu er

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