Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1904)
- Article
- Der Ewige Jude - kein Jude!
- Date
- 1904-02-01
- Page
- 90 (sequence 5)
- Language
- German
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90 Im deutschen Reich- „Vielleicht hat Jemand auch Verdacht, Ich käme mit der Judenfrage, Die uns in Zeitungen jetzt alle Tage Zuwidrer wird, in meinem Stück daher; Doch fürchtet nichts. Mein Ahasver, Der ist schon längst kein Jude mehr. Ganz konfessionslos ist das alte Haus; Es ward einfach ein armer Mensch daraus. Ein armer Mensch! Der Aermste! Denn er trägt Den alten Jammer unentwegt Aus einem in das andere Jahrhundert, Daß sich der Fels, auf dem er ruht, verwundert!" Zu der stattlichen Reihe der deutschen poetischen Schöpfungen, welchen die Sage vom Ewigen Juden zu Grunde liegt, gehört auch die gedankenreiche Dichtung „Jehova" von Carmen S y l v a. Auch der pbilosophischen Königin von Rumänien ist Ahasver nicht mehr der Schuhmacher aus Jerutalem oder der Türhüter des Pilatus. Sie stellt in Ahasver die von bangen Zweifeln geplagte, die Gottheit suchende Menschheit dar. Die fürstliche Dichterin läßt den Ahasver sagen: »Ich suchte ihn am Nile, und am Nile war er nicht. Ich stand auf hoher Säule, .und auf der Säule sah ich ihn nicht. Da sagten sie, daß der Kampf für Gott sei, aber er zeigte sich nicht im Kampfe. Da wollte ich ihn im Liede ergreifen, aber er tönte nicht im Liede; Und ich wähnte, die Liebe sei Gott, für mich kan« es Liebe nicht geben! Da blieb noch das Gold und Hier liege ich auf Gold; Was ich greife, ist Gold, indessen ich elend verschmachte. Wenn ich hier mich beugen könnte, wenn ich Das Haupt neigen könnte und sprechen: Ja, Du bist Gott! Ich erkenne Deine Gewalt! So dürfte ich sterben! Aber ich erkenne ihn nicht, da ich Unmenschliches leide!" Wie der Dichter Schubart. so sucht aber auch Carmen Sylva der Ahasver-Dichtung einen versöhnenden Abschluß mit folgenden Worten zu geben: „Im Werden ist Gott! Gott ist ewig Werden! WaS bin ich denn, daß ich Wohlthat begehre?