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Im deutschen Reich · 1904-02-01 · Heft 2 (Februar 1904) · p. 89

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 2 (Februar 1904)
Article
Der Ewige Jude - kein Jude!
Date
1904-02-01
Page
89 (sequence 4)
Language
German
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Der Ewige Jude — kein Jude. 89 die Ahasver-Dichtung, indem er den Ewigen Juden zur Zeit des Kaisers Nero auftreten ließ, wo der unter dem Kaiser Augustus Geborene kaum schon den Namen „Ewig" erworben haben konnte. Wenn Hamcrling den todeslüsternen Ahasver dem von übersprudelnder Lebenskraft erfüllen römischen Tyrannen Nero entgegensteüt, malt er aber nicht mehr den Juden der deutschen Volkssage, sondern die Menschheit selbst. Das Unzerstörbare, das zu vernichten keine Kraft stark genug ist, das „wie ein Phönix aus ewigen Verwandlungen sich erhebt, das aus erloschenen Daseins-Ueberresten die Funkerr neuer Lebensblüte lockt" — das ist, wie Hamerling ausfübrt. die ewige Menschheit. Ahasvers Todessehnsucht ist ihm nur die Ruhesehnsucht der rastlos ringenden, nie zum Frieden kommenden Menschheit. Ihm ist Ahasver kein anderer als Kain, deffen Schuld den Tod in die Welt gebracht hat. Auch Kaftrop zeichnet seinen Ahasver, dem ersten menschlichen Missetäter ähnlich, inmitten einer elenden Zeit als den Elendesten, fluchbeladen umherirrend. Der Anklang an die Ahasver-Sage ist auch bei dem „Manfred" des englischen Dichters Byron erkennbar, denn Manfred sagt: „Auf mir ist eine Macht, die mich zurückhält Und mir es zum Verhängnis macht zu leben; Wenn leben dies, zu tragen tief in sich Die Geistesöde und das Grab zu sein Der eigenen Seele." Die auf das ganze Menschentum erweiterte Ahasver- Anschauung schwebte auch dem originellen steirischen Dichter Rosegger vor, als er, dem düsteren Stoffe eine humoristische Seite abgewinnend, in seinem „Zwerga-Ferl" schrieb: „Du nit aloan bist der ewige Jud, der nit leben und nit sterben kon; mir ol mit anonda — und mir mögen noch so kreuzfidel ausschaun — mir ol trogn in ewigin Judn sei Seel mit uns um. Mitn Studirn und Weltvabeffern, mitn Geld, mitn Frumfin! s is Ols umsist! Mit da Gescheidheit loßr sich der ewigi Jud' nit übadöpeln, mitn Mahstob loßt er sich nit daschlogn. in Gelebeutel kon ma nit dastickn und mitn Rosenkronz kon ma ah nit dawürgn. Z tiaft in uns grobt in ewigin Juden sein ormi Seel." Der „Ewige Jude" von Max Haushofer, deffen erster Teil von dem begabten Dichter als „Mythos", deffen zweiter Teil als „Tragödie" bezeichnet wird und dessen wenig befriedigenden Schluß eine „phantastische Komödie" bildet, erinnert vielfach an den zweiten Teil des „Faust". Mich haben besonders folgende, in der Einleitung enthvltene Verse intereffiert:

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