Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1904-02-01 · Heft 2 (Februar 1904) · p. 88

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 2 (Februar 1904)
Article
Der Ewige Jude - kein Jude!
Date
1904-02-01
Page
88 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2316602-2316714-2316717-2332831--12101-2332902
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Im deutschen Reich. Schrecklicher Zürner im Himmel, Hast Du in Deinem Rüsthause Noch ein schrecklicheres Gericht? Mich wälz' ein Wettersturm Von Karmels Rücken hinunter, Daß ich an seinem Fuße Ausgestreckt lieg' und keuch' und zuck' und sterbe? Und Ahasveros sank. Ihm klang's im Ohr. Nacht deckt seine borst'gen Augenbrauen. Ein Engel trug ihn werter in's Geklüft ,Da schlaf nun", sprach der Engel „Ahasver! Schlaf süßen Schlaf! Gott zürnt nicht ewig!* Mit diesem rührenden Schlußwort ist für das düstere Ahasver- Rätsel eine Losung gefunden, welche des humanen Geistes der Neuzeit würdig ist und an die keine anrere poetische Auffassung herannicht. Daneben erscheinen die Ahasver-Dichtungen von Aloys Schreiber, Chamisio, Schlegel und von Zedlitz unbedeutend und die Julius Mosens zu theatralisch aufgepuht und am Schluffe sogar verstimmend. Dagegen hat Mosen im „Ritter Wahn" ein geistreiches Gegenstück geschaffen, denn während Ahasver vergebens der ewigen Ruhe nachjagt, stürmt der Ritter durch die Welt, um dem Tode zu entfliehen. Tiefelegisch geftalicte Wilhelm Müller das Leid des „Ahasver", das er in dem vielgesungenen Liede „Der Wanderer" nochmals ergreifend wiederklingen ließ. Von tiefstem Weltschmerze erfaßt und wohl schon die eigene Geistesnacht vorahnend, schuf Nikolaus Lenau zwei rührende Ahasver-Gedichte, die an die Töne einer Harfe mahnen, deren Saiten zu zerspringen drohen. Gustav Horn schieb eine Ahasver-Novelle, aus welcher wiederum KUngemann ein Schauspiel formte. Eigenartiger noch als Oelckers, Andersen, Haller, A. W. v. Schlegel („Die Warnung"), E. v. Schenck, G. Pfizer und W. Smets, welche denselben Stoff von sehr verschiedenen Gesichtspunkten dichterisch behandelten, suchte W. F. Haller der Sage in den „Briefen des Ewigen Juden" eine satirische Seite abzugewinnen. Fast noch überraschender wirkte es, als Levin Schücking in einer Episode seines Romans „Der Bauernfürft" den Ewigen Juden in Verbindung mit dem fliegenden Holländer und dem wilden Jäger brachte. Er stellte darin die drei Geächteten, von denen der eine der Erde, der andere dem Waffer, der dritte der Lust angehört, in feindlichem Gegensätze dar zu dem alle drei beherrschenden Herrn des Feuers, dem Satan. In ein ganz anderes Fahrwasser brachte der Dichter Hamerltng

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.