Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1904)
- Article
- Zur Gesamtorganisation der Israeliten Deutschlands
- Date
- 1904-02-01
- Page
- 79 (sequence 7)
- Language
- German
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Zur Gesamtorganisaüvn der Israeliten Deutschlands. 79 Was man mit lautem Rufen erreicht, hat der Bund der Landwirte gezeigt; der schreit immer, nicht nur bei den Wahlen, und wo er nicht die Negierung für sich gewinnt, sucht er das Volk hinter sich zu zu haben. Die Börse hat auch nur durch fortwährendes berechtigtes Schreien gegen das Börsengrsi tz es bei der widerstrebenden Regierung dahin gebracht, daß sitzt Modifikationen vorgeschlagen werden. Mit dem Schreien allein ist es natürlich nicht abgetan; wir müssen vielmehr aus dem Gebiete der Phrase heraus, müssen umfassendes authentisches Material für die Beschwerden der Juden über Verfassung^ widrige Borgänge schaffen. Das wird die Vereinigung deutscher Israeliten ermöglichen, wenn sie allumfassend erscheint und systematisch wirkt. Der Plan des Judentages ist fallen gelassen worden; wenn sich aber der Verband der Israeliten Deutschlands konstituiert haben wird, sollen alle zwei Jahre in einer Versammlung der Delegierten des Verbandes die alle deutschen Juden betreffenden Angelegenheiten öffentlich besprochen werden. Eine weitere Aufgabe des Verbandes ist die literarische Abwehr des sogenannten „wissenschaftlichen Antisemitismus"'» die Förderung der jüdischen Apologetik; ferner Vorbeugung bei solchen Ausweisungen würdiger ausländischer Juden, wenn dadurch gleichzeitig deursche Interessen verletzt werden, auch in Fällen von Verweigerungen von Ratnralisationsgesuchen, deren Genehmigung auch sür die jüdischen Gemeinden in Deutschland von besonderem Werte sind — last not least — die Stärkung und Hebung des Selbstbewußtscins der deutschen Juden sowie die Verhinderung des Abfalls und der Zersplitterung. Politische Parttifragen müssen von dem Verbände unbedingt ausgeschlossen bleiben; er soll keine politische Vereinigung im allgemeinen Sinne sein, sondern sich ausschließlich mit solchen politischen Dingen befassen, welche die Juden speziell betreffen. Das haben schon die jüdischen Gemeinden und auch der Gemeindebund tatsächlich bei häufigen Gelegenheiten geübt. Auch um Kultusangelegenheiten und um die innere Verwaltung der Gemeinden hat er sich nicht zu kümmern, ebensowenig um die Vorgänge im Ausland, welche anderen Organisationen über lassi n bleiben müssen. Damit ist auch jede Erörterung der zionistischen Frage ausgeschlossen. Ich resümiere mich dahin, daß in dem zu schaff nden „Verbände der Israeliten Deutschlands" eine Zusammenfaffung der Hauptelemente der deutschen Juden auf folgender Grundlage aufzubauen ist: die jüdischen Gemeinden als solche, als eigentliches bestimmendes Prinzip, eine Anzahl hervorragender Glaubensgenossen, die den einzelnen Verwaltungen fein stehen, deren Rat und Einfluß aber dem Verbände wünschenswert sein muß,