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Im deutschen Reich · 1904-02-01 · Heft 2 (Februar 1904) · p. 78

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 2 (Februar 1904)
Article
Zur Gesamtorganisation der Israeliten Deutschlands
Date
1904-02-01
Page
78 (sequence 6)
Language
German
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78 Im deutschen Reich. Vorsitzenden des Central-Bereins sich für die große Gesamiorgamsation entschieden und deren Zustandekommen gefördert. Von den Gegnern des Planes wird ferner der Einwand erhoben, daß man durch das öffentliche Hervortreten die Regierungen kränken könnte, daß man deshalb alles vermeiden muffe, was als Schreien ausgelegt werden würde. Dabei vergißt man wieder vollständig, dak die Regierungen jetzt nicht sowohl die Führenden, als vielmehr die Geleiteten sind, die sich von den Strömungen im Volksleben treiben lassen, soweit diese öffentlich zu kräftigem Ausd'Ucke gelangen. Man erinnere sich nur daran, wie der Justizminister Schönstedt bei der Interpellation Peltasohn sich auf die „Imponderabilien", auf die öffentlichen Meinungsäußerungen berufen hat, um die Nichtanstellui'g und Nichtbeförderung jüdischer Richter und Beamten , zu begründen. Und läßt sich nickt auch jetzt die bayerische Regierung von der ultramontanen Landtagsmehrheit treiben? Haben nicht im Königreich Sachsen die Antisemiten das eine religiöse Einrichtung der Juden hemmende Schäcktverbot durchgefetzt? Ist dort nicht jetzt dem Landtage eine neue Judenverordnungs-Vorlage zugegangen, die den Wünschen der antisemitischen Konservativen entgegen kommt? Was will man da noch abwarten? Jetzt gilt es laut hinauszurufen, daß auf diesem Wege das Judentum vogelirei wird; jetzt gilt es, eine innere Organisation so stark aufzubauen, daß man sich scheut, auf jener Bahn weiterzuschreiten! Nun sagt man, wir Jud^n allein können nichts durchsetzen; wir muffen uns auf die liberalen Parteien stützen und di'je für unsere Sache eintreren lassen. Daß von den National!ibe>alen solches nicht zu hoffen ist, darüber braucht man nicht zu reden; die freisinnigen Fraktionen aber halten nicht zusammen und sind leider arg geschwächt, so daß sie trotz bestem W llen ihre seits uns nichts nützen können. Uns bleibt nur bte Flucht in die Q ffentlickkeit. Und fürchtet man ein freies, vielleicht allzu freies und lautes Wort? Das beste Korrektiv für die Ocfst ntlichkeit ist die O ffentlickkeit selbst; da werden ungebührliche Aeußerungcn sofort zurückgewiesen werden. Wir brauchen kein Unrecht still zu ertragen; wenn wlr verleumdet werden, muffen wir das Unwahre sofort widerlegen, frei und offen hervortreten mit dem, was wir sind, was wir wollen. Dann kann uns niemand verwerfen, daß wir ein Geheimbund sind, daß wir Jntriguen spinnen nnd hinterlistige P äne aus Gewinnung von Macht und Reichtum verfolgen. Es wird den günstigsten Eindruck machen, wenn wir deutlich sagen: Das sind wir; das verlangen wir! Den Parteien gegenüber folge der deutsche Jude seiner persönlichen U berzeugung; wir haben auch kein Bündnis mit der Sozialdemokratie!

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