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Im deutschen Reich · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. 53

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-01-01
Page
53 (sequence 9)
Language
German
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Vereinsnachrichten. 53 Berlin Mission Johannesburg Johannesburg, 21. Nov. 1903. 101 Marshali Street. Mr. M. Heimann, Johannesburg P. Box G4G. Geehrter Herr Hermann! Sie haben mir einen deutschen Zeitungsausschnitt gebracht, in dem sich die Behauptung findet, die Juden in Johannesburg hätten von dem evangelischen Gotteshause eine Flagge heruntergezerrt, diese zerrisien und beschmutzt. Auf Ihre Anfrage, ob nur etwas von dieser Sache bekannt sei, kann ich Ihnen nur erklären, daß ich von einem solchen Vorfälle absolut nichts weiß, daß jedenfalls ein derartiges Vorkommnis niemals bei der deutsch-evangelischen Kirche stattgefunden hat, denn diese hat noch niemals eine Flagge getragen. Auch bci den holländischevangelischen Kirchen hier ist es nicht Sitte, Flaggen anzubringen; folglich kann man auch keine herunterzerren. Ich bin seit 1887 als Pastor bei den hiesigen Deutschen tätig gewesen und habe dabei sehr viele Juden kennen gelernt. Recht und Billigkeit erfordern es zu erklären, daß ich von feindseliger Gesinnung zwischen deutschen Juden und deutschen Christen nichts weiß; vielmehr weiß ich, daß beide friedlich und zum Teil sogar freundschaftlich hier miteinander verkehren. Mit freundlichem Gruße H. Kuschte. Auch die Bauplatz - Geschichte beruht auf Erfindung. Herr M. Hermann berichtet uns darüber: „Die Juden sind mit dem Bauplatze sehr zufrieden; er ist viel wertvoller als derjenige der evangelischen Gemeinde, liegt dem Personenbahnhof gegenüber und wird heute auf etwa 100 000 Pfund geschätzt. Er ist so groß, daß auf ihm eine Synagoge, eine Kinderschule und ein Wohnhaus für den Rabbiner errichtet werden konnten. Die Zahl der Juden hier am Rand wird auf 15 000 Seelen geschätzt; darunter ist namentlich das polnische und russische Element vertreten. Man muß es diesen Juden zur Ehre nachsagen, daß sie fleißige Leute find, alle möglichen Handwerke betreiben; unter ihnen sind Elektrotechniker, Schmiede, Schlosser, Klempner, Schreiner, Maurer, Zimmerleute, Schuhmacher, Schneider u. s. w. Jüdische Bettler sieht man garnicht, auch keine Betrunkene. Christen und Juden leben hier einträchtig zusammen; von Antisemitismus merkt man nichts. Manche mögen ihn heimlich haben; solange

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