Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-01-01
- Page
- 51 (sequence 7)
- Language
- German
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Vcreinsncrchrichten- 51 dorr bcm Regierungstische, noch aus der Mitte des Hauses sich im deutschen Reichstage eine Stimme gegen die Liebermann'schen Schmähungen des Judentums erhoben habe und daß die Aeußerung des Kriegs Ministers, künftig für die Auswahl der Offiziers-Aspiranten den Kreis noch enger ziehen zu wollen, keinen Abgeordneten veranlaßt habe, zu betonen, daß das beste Mittel, Forbacher Vorkommnisse zu verhüten, weit eher darin bestehen würde, den Geist engherzigen Vorurteils und hermetischer Abfchließung zu verbannen- Bei Besprechung der Vorgänge im Landtage wurde die Judengesetzvorlage in Sachsen und der Eintritt eines jüdischen Abgeordneten in den braunschweigischen Landtag erwähnt. Die weiteren Mitteilungen betrafen die erfreuliche Tatsache, daß in diesem Jahre in verschiedenen Städten die Verteilung autifemitijcher Weihnachtsflugblätter polizeilich verhindert wurde, daß dies auch in Berlin aus verkehrspolizeilichen Gründen der Fall war. Redner geißelte alsdann die weitere Unterstützung der antisemitischen „Staatsbürger-Zeitung" nicht nur durch die jüdische Firma BaerSohn, sondern auch durch seitenlange Inserate von Großbanken, zu deren Verwaltungen angesehene Juden gehören. Daran schloß sich eine Mahnung zu strenger Selbstzucht, Vermeidung Neid erweckender Prunksucht, von Taktlosigkeiten und selbst von solchen Kleinigkeiten, die man bei Andersgläubigen kaum rügen würde, die aber bei Juden selbst von Nichtantisemiten mißfällig beurteilt werden. Dm Schluß der Mitteilungen bildete ein Hinweis aus den Popanz- Prozeß von Kischinew, bei welchem vielfache Mörder mit ganz geringfügigen Strafen belegt wurden und die Urheber der Greuel straflos ausgmgen, die Familien der Gemordeten aber dem Elend oder der Mildtätigkeit ihrer Glaubensgenossen preisgegeben bleiben. Das Los dieser Unglücklichen durch Spenden zu lindern, sei eine Pflicht aller Juden, die in einem Rechts- und Kulturstaate leben. — Nach diesen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Mitteilungen wurde die freie Aussprache eröffnet, bei welcher Herr vr. Earl Pinn über die Stellung und Aufgaben der jüdischen Landtagsabgeordneten sprach, Herr Karl Schwartz die Drucklegung des an diesem Abend gehaltenen Vortrags anregte und Herr Dr. Wohlberg vor verschiedenen Taktlosigkeiten im Inserieren warnte. Hierauf wurde die Versammlung in üblicher Weise geschlossen. Im Dezember-Heft des vorigen Jahrgangs haben wir den von dem Minister für Handel und Gewerbe auf unsere Eingabe vom 18. September erteilten Bescheid mitgeteilt, daß wegen der Dispensation jüdischer Fortbildungschüler vom Unterricht an den Sonnabenden