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Im deutschen Reich · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. 50

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-01-01
Page
50 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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50 deutschen Reich Großtat geleistet, denn das Gesetz erwies sich als ein Grundpfeiler, an dem alle Wogen abprallten und der es den Juden möglich gemacht hat, über alle Klippen Jahrtausende hindurch ihre heiligsten Guter zu retten. In Moralfragen habe es zwischen dem Judentum und dem Christentum nie einen Unterschied gegeben und gebe es noch keinen. In religiösen Fragen wäre eine Einigung anfangs möglich gewesen, aber das jüdische Gesetz konnten und wollten die Juden nicht aufgeben, weil damit ihr Untergang besiegelt worden wäre. Dafür haben sie Unsägliches erduldet, seit undenklichen Zeiten mit Zähigkeit gekämpft, und dafür werden sic stets weiter kämpfen, um das Judentum zu erhalten. — Die hinreißende Wärme und Begeisterung des Vortragenden hatte sich auf die gesamte Zuhörerschaft übertragen, welche mit lebhafter Spannung seinen Ausführungen folgte und am Schluffe derselben stürmischen Beifall zollte, der minutenlang andauerte. -- Der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt vr. Horwitz lieh dann den Empfindungen der Versammlung Ausdruck und betonte den hohen Wert' ähnlicher Belehrungen über die Bedeutung der Geisteskämpfe, welche das Judentum zu bestehen halte und noch bestehen muß; er m* anlaßte dann die Anwesenden, den Vortragenden durch Erheben von den Sitzen zu ehren. — Herr Dr. Horwitz ging hierauf zu den üblichen geschäftlichen Mitteilungen über, berichtete dabei über die Versammlungstätigkeit der letzten Zeit, über den Stand der S ch ä ch t s r a g e, die für den Verein insofern von wesentlichem Interesse ist, als es dabei gilt, einen antisemitischen Borstoß gegen die verbriefte Freiheit der. jüdischen Religionsübung abzuwehren. Von der preußischen Regierung sei mehr und mehr zu hoffen, daß sie im Gegensätze zu den Verhältnissen in Sachsen einer Beeinträchtigung der freien jüdischen Religionsübung durch den Mißbrauch der Gemeinde-Autonomie Einhalt tun werde, weil die preußische Regierung auch dem Judentum gegenüber wiederholt den Beweis geliefert habe, daß es ihr ernstlich darum zu tun sei, „dem Volke die Religion zu erhalten". Der Redner berührte dabei die Entscheidung des Handelsministers bezüglich der jüdischen Fortbildungsschüler, die des Kultusministers inbezug auf die Schulvorstandsfrage, den Bescheid deS Präsidenten der Ansiedelungskommisston für Westpreußen und Posen betreffend die Entfernung antisemitischer Hetzschriften aus den Volksbibliotheken der Ostmarken usw. Im Verlaufe der weiteren Mitteilungen erwähnte der Redner die Entfernung der. letzten Säule des Antisemitismus aus dem Roten Hause in Berlin, streifte dann die bedauerliche Tatsache, daß weder

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