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Im deutschen Reich · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. 49

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-01-01
Page
49 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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Vcreinsnachrichten. 49 der jüdischen Gesetze empfahl und eine einwandlose SitLenlehre predigte, auch so weit seine Aussprüche in der ursprünglichen Fassung erhalten geblieben scheinen, höchstens den Scheinheiligen, nicht aber den aufrichtigen, strenggläubigen Pharisäern einen Grund geboten hat, gegen ihn anzukämpfen. Der Vortragende suchte dies in geistvoller Weise aus dem Neuen Testamente und dem jüdischen Schrifttum zu beweisen, und er stellte den Stifter der christlichen Religion schließlich als ein Opfer der „herodianischen Usurpatoren" dar, welche in jeder messianischen Bewegung eine große Gefahr hätten erblicken muffen und sich deshalb ebenso gegen ihn wie früher gegen Theudas und Johannes gewandt hätten. Erft als nach dem Tode Jesu seine Jünger in der Diaspora das Dogma der Auferstehung verkündeten, gegen das sich die Juden ablehnend verhielten, während die wundersüchtigen Griechen sich dafür erwärmten, begannen die Jünger Christi sich von dem jüdischen Gesetze mehr und mehr Loszulösen und die Juden in die Zwangslage zu versetzen, die ihnen heiligen Gesetze zu verteidigen. Der Vortragende schilderte dann den Werdegang des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten, bei dem das ursprüngliche jüdische Wesen und die jüdische Form mehr und mehr abgestreift wurden und an Stelle der „Messianität" Jesu die Lehre von der „Trinität und der Gottheit Jesu" zur Geltung gelangte. Die palästinensischen Juden wären durch die fortwährenden Versuche, sich gewaltsam vom römischen Joche zu befreien, verhindert gewesen, ihren Glaubensgenossen in der Diaspora bei dem Kampfe gegen die neue Bewegung Beistand zu leisten, und nun sei nichts weiter übrig geblieben, als das alte religiöse Gesetz zu schützen und dadurch zu erhalten, daß man zugleich das Stammesbewußtsein zu kräftigen suchte, welches tatsächlich wesentlich dazu beigetragen habe, das Judentum trotz tausendjähriger Prüfungen und Leiden lebenskräftig zu erhalten. Wenn auch das Judentum nach wie vor alle Menschen in der Anbetung des einig-einzigen Gottes zu vereinigen suchte, so lag es ihm doch ganz fern, diese ideale Hoffnung mit der Aufgabe der eigenen Eristenz erkaufen zu wollen. Wäre das Judentum nicht bereits dem einen Weltstaat anstrebenden Römertum gegenüber „national", so hätte es in seiner Gesetzestreue fest zusammenhalten muffen dem eine „Weltreligion" anstrebenden Christentum gegenüber, das, wie aus dem Briefe Pauli an die Koloffer hervorgeht, kosmopolitisch, also „entnationalisierend" zu wirken suchte. Die Führer des Judentums hatten nach dem Zusammenbruch des jüdischen Staates durch den Ausbau des Gesetzes eine neue geistige Zentrale geschaffen und damit eine unvergängliche

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