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Im deutschen Reich · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. 48

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-01-01
Page
48 (sequence 4)
Language
German
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48 Im deutschen Reich. in Achtung und Frieden zu leben. — Der Vorsitzende drückte dem Redner, dem die Versammlung am Schlüsse des Vortrages lebhaften Beifall gezollt hatte, den herzlichsten Dank des Gruppen- Dorstandes aus und eröffnete dann die Diskuffion, an der sich die Herren Karl Schwartz und Gustav Hildesheimer beteiligten. Im Verlauf der Debatte teilte Herr Rechtsanwalt Dr. Guttsmann den Inhalt einer die Aufführung des „Raftelbinders" betreffenden Zuschrift eines Mitgliedes der Gruppe SW. mit. der sich bedauerlicher Weise nicht als Absender genannt hatte. In diesem Briefe sei die irrtümliche Auffassung kundgegeben, daß die Figur des Juden Pfefferkorn geeignet sei, das Vorurteil gegen die Juden zu vermehren. Eher sei das Gegenteil der Fall; man habe ihm wenigstens berichtet: Pfefferkorn spiele in dem Stück eine ähnliche achtungswerte Rolle wie etwa der Moses in Reuters humorvoller Erzählung und das Stück stehe hoch über den JargomLeistungen des Herrnfeld-Theaters, welche es rätselhaft erscheinen lassen, daß sich Christen und Juden finden, die sich an solchen Karrikaturcn ergötzen können. — Nach Beendigung der Debatte wurde der bisherige Vorstand der Gruppe SW. durch Zuruf einstimmig wiedergewählt und dann die Versammlung geschlossen. Die am 5. Januar 1004 in „Dräjels Festsälen", Berlin 6., Neue Friedrichstraße 35, veranstaltete allgemeine Versammlung des Central-Bereins war von säst 800 Personen besucht, sodaß der Saal und die Galerie bis auf den letzten Platz dicht gefüllt waren. Nachdem Herr Rechtsanwalt vr. H o r w i h die Versammlung eröffnet hatte, hielt Herr Rabbiner vr. Ziegler aus Karlsbad über „Das Judentum in den ersten drei Jahrhunderten der jetzigen Zeitrechnung" einen in Form und Inhalt vollendeten Vortrag. Der Redner hatte es sich zur Aufgabe gestellt, die Fragen zu beantworten: Warum hat sich das Judentum, das dem Heidentum gegenüber eine so mächtige Propaganda entwickelte, bei der Entstehung des Christentums anfangs passiv verhalten? Warum hat es nicht rechtzeittg selbst die Schranken des Gesetzes niedergeriffen und sich dadurch zur Weltreligion gemacht, statt diese Aufgabe dem Christentum zu überlaffen? Warum hat das Judentum, wenn es nicht mit dem Paulinismus paktieren wollte, nicht sofort gegen die neue Lehre Stellung genommen? Auf welche Weise hat dann das Judentum in den ersten drei Jahrhunderten der jetzigen Zeitrechnung den Kampf gegen die immer mächtiger werdende Bewegung geführt? Der Vortragende betonte, daß es anfangs den Juden gar nicht nötig erscheinen konnte, gegen den Urkeim des Christentums sich zu wehren, weil sein Vertreter selbst die strengste Beobachtung

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