Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Essen
- Date
- 1904-01-01
- Page
- 41 (sequence 4)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 4! dann die allzu patriotische Haltung des Central-Verems und wünschte, daß die deutschen Juden sich mehr um ihre Glaubensgenosien außerhalb der schwarz-weiß-roten Pfähle kümmern, nach innen aber mehr an ihrer Judaisirung arbeiten sollten. Herr Hauptlehrer Graf bemerkte, er stoße sich nicht an dem „langen Namen" des Vereins, denn dieser habe einen „guten Namen": auch die jüdische Lehrerschaft hätte allen Grund, das mannhafte Auftreten des Central- Vereins dankbar zu begrüßen. Herr Rechtsanwalt Dr. Herzfeld ergänzte einige Gedanken des Hauptredners durch den treffenden Hinweis auf Vorkommnisse der jüngsten Vergangenheit (Könitz, Breslau usw.) und meinte: den besten Beweis für die gute Wirkung der ständigen Kontrole der Antisemiten durch den Verein lieferten diese selber, indem sie zugeben, durch den verhaßten „Denunziantenverein" in ihrer maßlosen Agitation und Ehrabschneiderei vorsichtiger geworden Zu sein. Herr Rabbiner Dr. Samuel erklärt: Der Vorwurf einer hyperpatriotischen Gesinnung treffe doch wohl nicht zu. Der Verein muffe den Behörden ja manche bittere Wahrheit zu kosten geben, wenn er mit seinen Klagen und Beschwerden an sie herantrete; dagegen habe man niemals etwas von Zustimmungsadreffen, Fackelzügen oder Serenaden gehört. Allerdings steht er auf deutschem Standpunkt, und wird von ihm geradeso beherrscht, wie vom jüdischen Interesse; aber dabei wird er. unbeirrt durch Einflüffe von außen oder von innen, allzeit beharren. Was die innere Mission betrifft, so hat jede Gemeinde solche Veranstaltungen zu treffen, daß jüdischer Geist und jüdisches Wissen in ihrer Mitte gepflegt und gefördert werden. Wenn aber der Central-Verein für die äußere Ehre und Anerkennung kämpft, so weckt er damit auch unsere innere Ehre; wenn er Geschmähten und Verleumdeten schneidige Waffen zur Verteidigung in die Hand drückt, so hebt er den Stolz und das Selbstbewußtsein. — Nach weiteren kurzen Bemerkungen einiger Redner stellt Herr Jsaac Hirschland den Antrag, nunmehr die Ortsgruppe zu begründen, dem die Versammlung einmütig beitritt. In den geschäftsführenden Vorstand werden durch Zuruf gewählt die Herren Rechtsanwälte Abel (Vorsitzender), Dr. .Herzfeld (2. Vorsitzender), S. Rosenbaum (Kassierer). In einem Schlußwort dankt alsdann Herr Rechtsanwalt Dr. Brodnih allen denen, die die Neugründung in die Wege geleitet und die gute Sache durch ihr Eintreten gefördert haben. Auch Kritik könne der Central- Verein vertragen; er hoffe aber die Sache desselben in Effen gut aufgehoben, wo u. a. ein blühender Literatur-Verein „innere Mission" treibe, und das Zusammenleben der Konfessionen ein so friedliches und harmonisches sei. Herr Dr. Samuel dankt Herrn Dr. Brodnitz