Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Essen
- Date
- 1904-01-01
- Page
- 42 (sequence 5)
- Language
- German
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42 Fm dcutschcn Reich. besonders für seine letzten Worte, die bewiesen Wien, daß der geschätzte Gast seine Aufgabe den besonderen Verhältnissen der Essener Judenschaft angepaßt habe, die stets bestrebt war, Liebe zum Vaterland und zur engeren Heimat zu betätigen, ohne nur ein Titelchen vom Judentum aufzugcben. Rechtsanwalt Abel schließt die Versammlung mit dem Versprechen, die Geschäfte des Vereins eifrig wahrzunehmen, zugleich aber mit dem Wunsche: Möchte der Ccntral- Verein nach glänzender Lösung seiner Aufgaben dereinst noch die Zeit kommen sehen, da er sich selber überflüssig gemacht habe. Der Erfolg des Abends war, daß 86 neue Mitglieder zu den vorhandenen 60 hrnzutraten. Sie alle werden den Grundsätzen des Central-Vereins treu bleiben und sein Wirken mit dem bergmännischen Rufe begleiten: Glückauf! H- Frankfurt a. M.,Januar. Der antisemitische hessische Landtagsabgeordnete Hirschel hat öffentlich erklärt, daß er den Vorsitz im Landesverbände der Deutschen Reformpartei für Südwest-Deulschland niedergelegt habe und gleichzeitig aus dem Vereine ausgetreten sei. lieber die Gründe zu diesem Schritt verlautet, daß sich Hnschel in den Schoß des Bundes der Landwirte gerettet babe. — Der Besitzer des „judenfreien Kölner Hofs" in Frankfurt a. M., Hermann Laaß, der sich der besonderen Verehrung aller „GeschäftSantiscmiten" erfreut, beabsichtigte in der Winterausgabe von Stornos Kursbuch sein Hotel zu empfehlen. Da aber in der Anzeige die Worte enthalten waren: „Jüdischer Besuch verboten", wurde diese Hotel-Empfehlung abgelehnt. Der Herausgeber von „Hendschels-Telegraph' soll sogar seinen Acquisiteuren das Aufsuchen des Kölner Hofes untersagt haben. Darüber entsetzt sich die Antisemitenpreffe, und sie ersucht deshalb ihre Parteifreunde dringend, den Hermann Laaß im „Kölner Hof in Neu-Jerusalem am fränkischen Joidan" für die seiner Prinzipientreue gebrachten Opfer durch zahlreichen Besuch zu entschädigen. Sie sagt: „Wer nach Frankfurt a. M. reist und nicht umwogt sein will von Juden, der halte Einkehr in der Oase, im judenfreien „Kölner Hof". — Ohne „Kameele" ist eine „Oase" doch kaum denkbar! G Müncheu» 2. Januar. Die erste Rede, welche der bauernbündliche Abgeordnete Anton Memminger im bayerischen Landtage hielt, hat die Erwartungen, seiner antisemitischen Auftraggeber nicht getäuscht: er klagte über die Lage der Landwirtschaft, jammerte über die Sündhaftigkeit der Städte, wetterte gegen den Geldsack und das Judentum, und das in einer so urwüchsigen Sprache, um die ihn selbst der Ansbacher-Reallehrer vr. Heim beneiden mußte, der sich sofort erhob, um zu beweisen, daß auch ein Mitglied des Zentrums