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Im deutschen Reich · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. 40

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
Essen
Date
1904-01-01
Page
40 (sequence 3)
Language
German
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Im deutschen Reich. halten. Der Central-Verein hat die Behörden mit allem Nachdruck und endlich mit Erfolg darauf hingewiesen, daß es nicht nur im jüdischen, sondern im öffentlichen Interesse liege, den Gesetzen Achtung zu verschaffen, und es ist tatsächlich schon besser geworden. Aber noch kann man die Arbeit nicht einsteUen. Am wenigsten dürfen sich diejenigen zurückziehen, die in günstigeren Verhältnissen leben, wie ffe glücklicherweise in Esten und im Jndnstriebezirk überhaupt herrschen. Wer für seine Person vom Antisemitismus nicht erreicht werde, müsse um so eifriger sich der schwächeren und bedrängten Glaubensgenossen annehmen, wo immer ihnen um der Religion willen Unrecht geschieht. Die Juden sollen aber auch Selbstzucht üben und immer wieder daran erinnert werden, daß jeder gerechte Vorwurf, der sie trifft, sofort verallgemeinert, jede geringfügige Entgleisung vom Argwohn des Haffes aufgegriffcn und ausgebeutet wird. Der Verein darf sich rühmen, auch für diese Mission nach innen immer größeres Verständnis bei den Glaubensgenoffen gefunden zu haben. Alle Erfolge sind freilich nicht dazu angetan, uns zu Siegeshymnen zu begeistern; es handelt sich um traurige Notwendigkeiten. Indes nach zwei Richtungen hin tritt doch die günstige Einwirkung auf die deutschen Juden zu Tage: durch den Central-Derein haben viele wieder ihr jüdisches Herz entdeckt und den unseligen Jndifferentismus gegen alles jüdische Jntereffe abgestreift; und ferner hat die stumpfe Resignation gegenüber der RechtsunLerdrückung nachgelassen, feit jeder in seinem Rechte gekränkte deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens sich nur an die Centralstelle .zu wenden hat, um Genugtuung zu erhalten. Damit wird dem Deutschen und dem Juden in uns Genüge geleistet, dem Deutschen, denn wir werden uns fortan nicht mehr verbittern kaffen, sondern uns gern als Deutsche bekennen, die ihr Leben in Deutschland beenden wollen und sich zur Nation eines Goethe rechnen. Dem Juden, denn wir werden uns gern wieder dessen bewußt, daß das Judentum zuerst gleiches Recht für alle aufgestellt und der Welt den Grundsatz gelehrt hat: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst! (Lebhafter Beifall.) In der sich anschließenden Diskussion versuchte zunächst Herr Referendar Epstein aus Duisburg an dem „langen Namen" des Vereins Kritik zu üben, muhte aber, durch lebhafte Entrüstungsrufe unterbrochen, davon Abstand nehmen/') Sachlich bemängelte er *) In dem auch sonst stark entstellten Bericht des hiesigen „General- Anzeigers für die Interessen des Judentums', über die Versammlung (unter der Spitzmarke „Posen macht Schule") ist wohlweislich verschwiegen, wodurch Herr Epstein den „ohrenbetäubenden Lärm* (in Wahrheit waren es einige deutlich vernehmbare Zwischenrufe) provoziert hatte!

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