Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Essen
- Date
- 1904-01-01
- Page
- 39 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 39 Vereins deutsber Staatsbürger jüdischen Glaubens statt. Ein Komitee, zu dem u. a. der bisherige Vertrauensmann des Vereins Herr Bankier Jsaac S. Hirjchland, Stadtverordneter und Vorsitzender des Vorstandes der Synag. Gemeinde, ferner die Herren Rechtsanwälte Abel und!>r. Herzfeld, Herr San.-Rat Pr. Heßberg, Rabbiner Pr. Samuel, Lehrer Kaufmann gehörten, hatte zu einer öffentlichen Versammlung eingeladen, die Berliner Centralleitung Herrn Rechtsanwalt Pr. Brodnitz entsandt. Nach einigen begrüßenden Worten des Herrn Hirschland übernahm Herr Rechtsanwalt Abel, durch Zuruf gewählt, die Leitung der Verhandlungen und erteilte Herrn Pr. Brodnitz das Wort zu seinem Vorträge über: .Unsere Ziele und Wege*. Seitdem Pr. Raphael Loewenfeld, so etwa führte Redner aus, in einer bekannten Broschüre die Frage aufgeworfen habe: .Schutzjude oder Staatsbürgers" sei dieselbe in immer entschiedener Weise in letzterem Sinne beantwortet worden. Das Verständnis für den damit gewonnenen Standpunkt und die daraus folgenden Konsequenzen haben sich in so glänzender Weise Bahn gebrochen, daß heute der Central. Verein weit über 100 000 deutsche Juden umfaßt. Es erübrigt sich daher, die Tendenzen desselben in breiter Ausführlichkeit darzuftetten; sie sind bekannt genug. Nur einige wesentliche Momente mögen hervorgehoben werden und zwar an der Hand der vom Central-Verein aufgestellten und weitverbreiteten zehn Leitsätze. (Redner verliest dieselben und fährt dann erläuternd fort): Der Grundgedanke ist also ein andrer, als der des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus. So edelmütig und dankenswert das Eintreten eines Gneist und Rickert zu Gunsten der Juden gewesen ist, so wenig konnten sich die Angegriffenen auf die Dauer der sittlichen Forderung entziehen, für ihre Ehre selber cinzustehen. Sich wehren, bringt Ehren! Der Jude selbst sollte über seine eigenen Angelegenheiten freimütig reden, denn nur der verdient Achtung, der den Mut hat, seine Sache zu verfechten. In diesem Rechtskampfe handelt es sich nicht allein um eine jüdische, es handelt sich um eine Sache des Vaterlandes. Denn der Antisemitismus führt zur Gefährdung der Sicherheit von Leib und Leben, zur Verwirrung und Trübung des Rechtsbewußtseins, schließlich zum Anarchismus (Leitsatz 5). Wer den Mut hat, dem Juden Unrecht zu tun, der versündigt sich eben am Recht selber. Gegen keine Bevölkerungsklaffe hat vor allem eine so maßlose Verleumdungswut und Ehrabschneiderei ungestraft Platz greifen dürfen, wie gegen die Juden. Man verschanzte sich in den Gerichtssälen hinter die Kollektiv-Beleidigung, die mangelnde Legitimation u. dergl., und so konnte lange sogar ein Graf Pückler ungestraft seine Hetzreden