Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-01-01
- Page
- 28 (sequence 9)
- Language
- German
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28 yim deutschen Reich. Krösell kann davon nichts verstehen, wohl aber der Geschäftsführer der „Deutschen Hochwacht', wenn man ihn nach den 135 000 Mk. Gründungskapitalien fragen wollte, die nach seiner eigenen Erklärung in der Ortsgruppen Versammlung zu Magdeburg vorhanden gewesen sind. Ich, der ich auf diesem Gebiete habe Erfahrungen sammeln können, möchte eben andere Gesinnungsgenossen in aller Offenheit und Ehrlichkeit vor trüben Erfahrungen und Enttäuschungen bewahren und folge da nur den Grundsätzen, die mich auch zur Aufgabe meiner theologischen Karriere vcrannlaßten. Als ich erkannte, daß ich die Dogmen der christlichen Kirche nicht vertreten konnte, daß ich nicht zeitlebens auf der Kanzel dem Volke etwas predigen könne, was ich selbst nicht glaubte, da habe ich mir unter großen Schwierigkeiten einen anderen Erwerb gesucht, wie das jährlich hunderte von Studenten der Theologie ebenfalls tun. Es ist nun bezeichnend für die im „Deutschen Dolksbunde" herrschende korrumpierte Moral, daß sein Blatt mir diesen schweren Schritt noch zum Makel anrechnet. Ich muß offen gestehen, daß bisher sich noch kein einziges jüdisches Blatt zu dieser Infamie hergegeben hat. Diesem Grundsätze bin ich auch ge-, folgt, als ich sah, daß die Wirtschaft im Deutschen Volksbunde oberfaul wurde. Als ich keine Aenderuug herbeiführen konnte, habe ich mich sofort zurückgezogen, keine Beiträge mehr angenommen und meinen Austritt erklärt. Auch wird mir der Aufenthalt in meinem kleinen Redakticnszimmer auf dem Pfcifersberg vorgehaltcn. Das gebe ich der „Deutschen Hochwacht" unbedingt zu, daß man sich ein feines Lokal in der besten Geschäftsstraße suchen kann, wenn man andere Leute die Zeche bezahlen lassen will." Die antisemitische „Sachsenschau" hat auch noch weitere interessante Einzelheiten über Vorgänge im „Deutschen Volksbunde", dessen Leiter Hans von Mosch, Prof. vr. Paul Förster und Rechtsanwalt Jüngst sind, wilaeteilt, z. B. daß das sogenannte „Bundesheim" in drei Jahren -2l 000 Mk. verschlungen, daß man, trotzdem das Bundesheim leer stand, eine Geschäftsstelle in der Friedrichstrahe für 4000 Mk. gemietet und mit einer Einrichtung für 4000 Mk. ausgestattet habe. Für die Erfindungen des Herrn Hans von Mosch (ein Einrad u. a. m.) sei eine richtige Schlofferwerkstatt unterhalten worden; es stecke in allen diesen Gründungen eine Menge Geld, weshalb sich viele opferwillige Gesinnungsgenoffen bereits zurückgezogen hätten. Ueber die intimen Vorgänge in dem „Deutschen Antifcmitenbund" fehlen so offenherzige Mitteilungen, und was die antisemitische Parteipreffe vorsichtig berichtet, zeigt nur, daß die Epigonen Br. Bachlers nicht die Leute sind,