Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-01-01
- Page
- 27 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 27 zu finden, wie es antisemitische Wirtschaftspolitiker glauben; der deutsche Handel hat in verhältnismäßig kurzer Zeit eine solche Ausdehnung genommen, daß alle verfügbaren Kräfte vollbeschäftigt find. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der deutsche Handel beträchtlichen Schaden davon hat, wenn seine Reisenden jüdischer Konfession von der russischen' Polizei schikaniert werden. Der Wunsch nach einer Konsolidierung der unsicheren Verhältnisse ist daher vollauf berechtigt. Die Durchsetzung der betreffenden Wünsche wird um so leichter sein, als auch Rußland selbst daran interessiert ist. Denn die deutschen Handelsreisenden kommen nach Rußland nicht nur als Verkäufer, sondern auch als Käufer. Der auswärtige Handel Rußlands mit Deutschland befindet sich zum großen Teil in jüdischen Händen, in russisch-jüdischen und deutsch-jüdischen. Die Erschwerung der Handelstätigkeit der Juden schädigt daher auch den russischen Handel sehr empfindlich, und es ist wohl nicht anzunehmen, daß bei Abschluß eines wirtschaftlichen Vertrages andere Gesichtspunkte als wirtschaftliche den Ausschlag geben werden." Die unter der Leitung Liebermanns v. Sonnenberg stehende neue Wirtschaftliche Vereinigung, welche die antisemitischen Reformer die Christlich-Sozialen und Bauernbündler umfaßt, hat die Gelegenheit wahrgenommen, sich bei den deutsch-nationalen Handlungsgehilfen abzufinden, die den Antisemiten bei den letzten Wahlen sehr nützliche Dienste geleistet haben sollen. Als ein solcher Dankeozoü soll der im Reichstage eingebrachte Jnitiativ-Antrag gelten, in dem die baldige Vorlegung eines Gesetzentwurfs, behufs Errichtung besonderer Kaufmannsgerichte, sowie die Angliederung dieser Kaufmanmsgerichte an die Gewerbegerichte gefordert wird. Daß der Abgeordnete Krösell die Frage seines Beitritts zur Wirtschaftlichen Vereinigung bis nach Erledigung seines Prozeffes mit dem Redakteur Dr. Wittenberg vertagt hat. läßt darauf schließen, daß der ftühere Seelsorger von Kloxin über den Ausgang dieses Prozeffes nicht ohne Besorgnisse ist. Ueber seine neue Tätigkeit als Zeitungs- Herausgeber hat sich der Redakteur der antisemitischen Magdeburger „Sachsenschau", Faßhauer, in einer Weise geäußert, nach welcher die Aussichten für das Pyritzer Blatt „Mittelstand* und den „Druckereidinkwr" Kröjell nicht gerade als glänzende erscheinen. Er schrieb: „Ich hielt es für meine Pflicht, darauf hinzuweisen, daß der „Mittelstand" auch die Pyritzer um eine traurige Erfahrung bereichern würde, weil sich antisemitische Tageszeitungen kaum in Großstädten halten können, geschweige in einer kleinen Landstadt. Der vom .Volksbunde" mit dem Titel „Druckereidirektor" beglückte Pfarrer