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Im deutschen Reich · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. 23

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-01-01
Page
23 (sequence 4)
Language
German
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Umschau. 23 Gelüste zu diesem Verstoße gegen die Loyalität nimmt ihnen das Bewußtsein, daß eine Monarchenzeit im Mlkerlcben wenig ausmacht, daß insbesondere das deutsche Volk gesund und stark genug ist, um getrost sich noch weitere Jahrzehnte lang einer falschen Regierungstcndenz auszusetzen, so wie es bisher fünfzehn Jahre derselben überstanden hat. In diesem Bewußtsein kann man dem Fürsten von heute langes Leben wünschen und geduldig und wohlgemut auf einen Kaiser der Zukunft harren. Und das wird die vielleicht zum Ausharren ermuntern, die jetzt verzagen möchten". — — — Jeder Kommentar würde die Bedeutung solcher Proben „antisemitischer Königstreue" nur abschwächen! Wir meinen aber, daß eine Partei, die in dieser Weise von dem „Kaiser von heute" an den „Kaiser der Zukunft" zu appellieren wagt, und beständig dcn Apfel der Zwietracht in die friedlichsten Kreise der deutschen Bevölkerung schleudert, nicht das geringste Recht hat, der „von Juden bedienten" liberalen Presse vorzuwerfen, „den monarchischen Gedanken zu ersticken und die verschiedenen Klaffen der Bevölkerung derart aufeinander zu Hetzen, daß von einem Zusammenschluß der bürgerlichen Kreise nicht mehr die Rede sein kann." Diesen Zusammenschluß macht die antisemitische Wühlerei nahezu unmöglich; sie gibt beständig vor, daß ihr Programm das einzigste Mittel sei, die Sozialdemokratie wirksam zu bekämpfen und leistet derselben doch bewußt oder unbewußt den größten Vorschub, indem sie die Unzufriedenheit der gewerbrreibenden Kreise durch gehässige Aufreizungen schürt und dadurch sich selbst zur Vorfrucht der Sozialdemokratie oder sogar des Anarchismus mackt. Wie der Antisemitismus die loyale monarchische Gesinnung zum Aushängeschild mißbraucht, um die Regierungskreise zu blenden, so mißbraucht er auch zu seinen Parteizwecken das im deutschen Volke tiefwurzelnde religiöse Gefühl, um den konfessionellen Zwiespalt zu erweitern, der ohnehin die Wohlfahrt im deutschen Reiche hinreichend gefährdet. Gegen diesen Mißbrauch der Religion hat der elsässische Abg. Blumenthal sich im deutschen Reichstage energisch geäußert, nicht gegendie Religion, die Sache der Ueberzeugung und der edelsten Empfindungen ist. Daß jemand, der zwar Christ ist, aber den Namen „Blumenthal" trägt, es unternahm, sich im Reichstage über das Verhältnis von Kirche und Staat in eingehender Weise zu äußern und zu betonen, „daß eine nur durch Staatsmittel aufrecht erhaltene Religion der ernsten inner« Kraft entbehre", bot den Antisemiten die erwünschte Gelegenheit über Angriffe der „Juden" auf die christliche Religion zu fabulieren. Daß der Antisemitismus selbst die schlimmste Schädigung der christlichen Religion ist, die Glaubenstreue der Juden aber durch

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