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Im deutschen Reich · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. 22

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-01-01
Page
22 (sequence 3)
Language
German
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22 Olm deutschen Reich. kommnisse den Willen bekundete, künftig de» Kreis der Offiziers- Aspiranten noch enger als bisher ziehen zu wollen, also den famosen „Assessoren-Paragraphen" in das „Militärische" zu . übertragen. Kein einziger freisinniger Abgeordneter fühlte sich dadurch zu der Frage veranlaßt, ob es nicht rötlicher sei, lieber den Kreis der Offiziers- Aspiranten zu erweitern, sowohl um die Verwaltungsgrundsätze mit dem Geiste der Verfasiung und der Kabinettsordre vom Mai 1890 in Einklang zu bringen, als auch durch Verbannung der konfessionellen Engherzigkeit und des Rasscn-Dorurteils den frischen Luftzug zu schaffen, der keine Forbacher Derhältniffe aufkommen läßt. Ob die Juden würdig sind, die Epaulettcn zu tragen oder auch nur als schlichte Soldaten wie bisher ihre Pflicht zu erfüllen, — diese Frage wird durch das Schweigen der freisinnigen Volksvertreter nicht gelöst, am wenigsten aber steht darüber einem Manne wie Liebcrmann v. Sonnenberg ein Urteil zu, in dessen „Deutsch-Sozialen Blättern" am 17. Dezember in einem „Fürftenblut und Fürstenpolitik" überschriebenen Artikel Gesinnungen geäußert worden sind, deren Kundgebung nicht nur einem jüdischen Soldaten rech übel bekommen würden, sondern die auch durchaus nicht geeignet sind, „die Wurzeln des deutschen Volkstums" zu kräftigen. Dort heißt es. wörtlich: „Der Rassenkundige kann sich eigentlich nicht wundern, daß der Sohn einer Frau aus englischem Gejchlechte den Vorzug hat, großes Verständnis für die Bedeutung einer Flotte zu besitzen, und den Nachteil, die Politik eines einseitigen Handelsstaates zu treiben, just als wenn der von ihm geleitete ein solcher wäre". Daran schließt sich eine merkwürdige anthropologische Studie und schließlich wird gesagt: „Was haben wir dann aber gewonnen? — Nun, die Hoffnung, daß, wie beim Kaiser von heute, so auch beim Kaiser der Zukunft Blut dicker als Wasser sich erweisen werde. Die Hoffnung, daß der Sohn einer Frau aus dem edlen deutschen Holstengeschlechte in seinem Tun sich dereinst als echter deutscher Nordmärker erweisen werde. Von seiner hohen Mutter wissen wir ja, daß sie einem dreisten Juden in der Berliner Stadtväter-Synagoge bereits einmal so derb auf die Finger geklopft hat, daß man ihr das dort noch heute nachträzt. Hoffen wir, daß er ihre Holstennatur insbesondere auch in diesem Teile geerbt hat. Daß der Festlandssproß aber eine andere Gesamtpolitik treiben wird, als der Sprößling der Tochter des Handels- und Jnfel.volkes, das werden die, die an die Stimme des Blutes glaube», sicher als ihre feste Hoffnung aufrichten. Niemand von ihnen wird darob den Kaiser der Zukunft schneller herbei- und den Kaiser von heute hinwegwünschen. Jedes

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