Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Der Ewige Jude - kein Jude!
- Date
- 1904-01-01
- Page
- 18 (sequence 6)
- Language
- German
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18 deutschen Reich. Neuerdings bat in Frankreich die ticfpoctijche Sage eine sehr prosaische Erklärung gefunden, indem der berühmte Arzt Chareot sie auf die historische Ruhelosigkeit der im Elend schmachtenden russischen Juden zurückführte. Wenn Gaston-Paris in der Encyklopädie der religiösen Wissenschaften 1880 daraufhinwies, daß die Sage fast nur im nordwestlichen Europa volkstümlich geworden sei, so deutet diese Beobachtung darauf, daß sie überall auftauchte, wo man noch des urgermanischen Wan^ derers Wotan gedachte. Unrichtig ist aber die Behauptung des Gaston- PariS, wenn er sagt, daß die Sage in Spanien, Italien und im östlichen Europa unbekannt geblieben sei. Der Florentiner Forscher Morpurgo hat wenigstens für Italien das Gegenteil bewiesen und ein von Alfred Ruhemann in Rom verfaßter, in einem Heft von „Nord und Süd" enthaltener Aufsatz „Die Sage vom Ewigen Juden in Italien" bestätigt Morpurgos Angaben durch interessante Einzelheiten. Danach ist die Malchus - Sage von einem zum Fortleben verdammten römischen Kriegsknecht in Italien der Ahasver-Sage vorausgcgangen. Ersters findet sich in einem palatinifchen Codex des 17. Jahrhunderts, in einem in der Turiner Akademie befindlichen Manuskript und in einem in der Bologneser Universitätsbibliothek enthaltenen Buche. Ein anderes von dem Forscher d'Ancona in Novara aufgefundenes altes Buch enthält allerdings die Sage vom Ewigen Juden, der Buttadeus genannt wird. Diese Geschichte ist aber wiederum nichts anderes, als eine Ueberfehung der von Paulus von Eitzen niedergeschriebenen deutschen Ahasver-Sage. Die Verbreitung der Malchus-Sage ist jedenfalls älteren Datums und auf Originalberichte des venezianischen Edelmanns Carlo Ranzo und des -Priesters Francesko Alcarotti zurückzuführen, welchen Berichte schon zum Beginn des in. Jahrhunderts im Druck erschienen. Weit früher noch muß diese Sage, vermischt mit derjenigen des ewig fortlebenden Apostels Johannes in Italien bekannt gewesen sein, da der von Dante im 20. Gesang der „Hölle" erwähnte Astrolog Guido Bonatti erzählt hat, Johannes Buttadeus sei auf einer Wallfahrt im Jahre 1267 durch Forli gekommen. Aehnliche Hinweise finden sich auch bei älteren italienischen Dichtern, so bei Cecco Angiolierei in Siena und bei Nicolo de Rosst in Treviso. Auf der Insel Sizilien wandelte sich die Sage von dem „Buttadeo Malchus" in eine solche vom Juden Marcus um und wurde in zahlreichen Gesängen tatsächlich volkstümlich. Reuerdings fand der Florentiner Morpurgo eine der ältesten Niederschriften der Sage vom ewigen Johannes unter den Stroppischen