Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Der Ewige Jude - kein Jude!
- Date
- 1904-01-01
- Page
- 16 (sequence 4)
- Language
- German
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16 Hm deutschen Reich. trägt ebenfalls unverkennbar die Spuren des alten heidnischen Trohes. Die engen Beziehungen dieser letzteren Sage zu der des Ewigen Juden sind von vr. Theodor Gräße in Dresden in einer interessanter Schrift eingehend beleuchtet worden. Auf solche altheidnischen Begriffe von Unversöhnlichkeit griff bei der Sage vom Ewigen Juden das mittelalterliche Vorurteil gegen alles Unchristliche zurück. Glücklicherweise sind nicht nur solche düstere Schatien aus der deutschen Vorzeit uns erhalten geblieben. Andere schönere altgermanische Züge sind in den reizenden, den Wechsel der Jahreszeiten symbolisierenden Märchen von Dornröschen, Frau Holle. und Sneewittchen, sowie in vielen sinnigen Volksgebräuchen auf unsere Zeit gekommen und verleihen in ihrer jetzigen poetischen Verklärung dem Gemütsleben einen ganz eigenartigen Zauber. In ihrer ganzen ursprünglichen Schroffheit ist die Ahasver- Sage in der im Simrock'schen deutschen Volksbuchc mitgeteilten „Kurtze Beschreibung und Erzehlung von einem Juden mit Namen Ahasverrrs" enthalten, welche in Leyden im Jahre 1602 gedruckt wurde. Nach derselben hat der Bischof von Schleswig, Paulus von Eitzen, im Jahre 1542 den Ewigen Juden gesprochen, der zwei Finger dicke hornharte Fußsohlen vom langen Gehen gehabt habe, sonst aber nur als ein Mann von etwa 50 Jahren erschienen sei. Derselbe habe sich für einen Schuhmacher aus Jerusalem ausgegeben und von den Aposteln, wo Jeder gelebt, gelehrt und gelitten, guten Bescheid zu geben gewußt. Der fremde Wanderer erzählte dem Bischof, wie er den vor feiner Türe zusammengesunkenen Jesus von der Schwelle gewiesen, von ihm dafür zur ewigen Ruhelosigkeit verwünscht worden sei, wie er seitdem zur Ueberzeugung der Gottlosen und Ungläubigen in diesem elenden Leben herumgesirhrt werde und keinen sehnlicheren Wunsch habe als Erlösung aus diesem Jammertale durch den Tod. Seinem 1564 niedergeschriebenen Berichte fügte der Bischof 1575 noch hinzu, zwei Männer aus dem Gefolge des Herzogs Adolf von Holstein hätten denselben Juden später in Madrid gesehen und von ihm dort eine ähnliche Erzählung im reinsten Spanisch vortragen hören. Diese Geschichte wurde bald vielfach in Schleswig, Danzig, Hamburg und anderen Orten nachgedruckt; an. ausführlichsten und noch vielfach ausgeschmückt wurde dieselbe von einem gewissen Chrysostomus Duduläus aus Westfalen. Von da ab erschienen immer neue Schriften für oder wider die Richtigkeit der Erzählung vom Ewigen Juden. Man muß annehmen, daß eine ganze Reihe von Betrügern, die im Mittelalter bereits schriftlich und mündlich weit verbreitete Volks-