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Im deutschen Reich · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. 15

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
Der Ewige Jude - kein Jude!
Date
1904-01-01
Page
15 (sequence 3)
Language
German
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Der Ewige Jude " kein Jude. tb breitete. Auch in Italien muß schon damals die Sage ausgetaucht sein, da der in Dantes „Hölle" erwähnte Astrolog Guido Bonatti aus Forli eines ähnlichen, im Jahre 1267 in Forli gesehenen Unsterblichen erwähnt, den er zwar Johannes Bultadeus nennt, der aber mit dem ruhelosen Türhüter identisch zu sein scheint. Seit den ersten Niederschriften aus dem dreizehnten Jahrhundert ist die Sage nicht wieder verschwunden. Daß dieselbe vorzüglich in Deutschland Glauben fand, trotzdem weder das Neue Testament noch die Apokryphen etwas enthalten, was zu derselben Veranlassung geben konnte, obgleich sich aus den Schriften des Josephus und Philos nichts über die Sage schöpfen läßt, trotzdem weder die christliche noch die jüdische Religion eine ewige Verdammnis ohne Sühne kennt, das erklärt sich nur aus den Anklängen der Sage an verschiedene Ueberlieferungen aus der altgermanischen Heidenzeit, welche ihre Heroen den fühllojen Naturgewalten nachformte. Bekanntlich wurden die religiösen Begriffe der alten Germanen von der steten Wiederkehr gewisser Naturerscheinungen beeinflußt. Dieselben spiegelten sich in den übermenschlichen Gestalten der Edda- Sagen und schließlich auch noch in dem Nibelungen-Liede. Auch die poetischen Sagen vom wilden Jäger, von Frau Holle, vom Tannhäuser und vom Fiegenden Holländer sind von kundigen Forschern auf die meteorologische Götterlehre der alten Germanen zurückgeführt worden. Wenn heute das gigantische Weh Ahasvers einer durch die göttliche Offenbarung veredelten und durch die Kultur weicher gestimmten Zeit fast unfaßbar und selbst qualvoller erscheint, als jene Strafen, welche die Griechen den Frevlern Prometheus und Tantalus andichteten — dann braucht man sich nur der felsenharten Hünengestalten der urdeutschen Sagenbildung zu erinnern. „Die Sprache, worin das Nckelungen-Lied gedichtet ist", sagte Heinrich Heine, „ist von Stein; die Verse sind gereimte Quadern. Hie und da quellen aus den Spalten rote Blumen hervor wie Blutstropfen, oder zieht sich der lange Epheu herunter wie grüne Tränen". Aus ähnlichem Stoffe sind auch andere Sagen des deutschen Volkes geformt, bei denen sich meistens christliche Begriffe mit den ursprünglich heidnischen vermochten. Wenn Richard Wagner die Senta den Fiegenden Holländer durch einen Sprung in die See erlösen läßt, so wandelt er ganz richtig auf den Bahnen der altgermanischen Dichtung, wobei ihm sicher die jungfräulichen Opfer vorschwebten, welche in der Heidenzeit zu Ehren der Hertha in die tobende Flut gestoßen wurden. Die Rückkehr des reuigen Tannhäusers in den Venusberg, nachdem ihm der Papst die erbetene Vergebung der Sunden versagte,

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