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Im deutschen Reich · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. 14

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
Der Ewige Jude - kein Jude!
Date
1904-01-01
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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14 Im deutschen Reich- Sage beschäftigt haben, deren Ursprung weit in das Mittelalter zurückreicht. Selbstverständlich war es mir unmöglich, die zahllosen gelehrten Abhandlungen durchzuarbeiten, die über diesen Gegenstand in den letzten drei Jahrhunderten in den verschiedensten Ländern erschienen sind, lieber den historischen Ursprung der Ahasver-Sage schöpfte ich vieles aus einer sehr gründlichen Arbeit des Pr. L. Neubauer in Elbing, lieber die poetische Wandlung und Fortbildung der Sage belehrte mich vorzüglich eine in der Sammlung gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vorträge im Jahre 1874 erschienene wertvolle Arbeit von Ferdinand Helbig. Es würde ermüden, mich über das weitere reichhaltige Material zu verbreiten; ich beschränke mich auf die Andeutung, daß von deutschen Gelehrten besonders Pr. Gräße in Dresden und Ferdinand Wähler in Schulpforta, von französischen Gelehrten Charles Magnin, Nisard, Gaston Paris, Basnage und Brunet, von den Italienern S. Morpurgo u. a. ni. und in England besonders Conwav, Baring Gould und G. W. Cox die Ahasver-Sage zum Gegenstände wissenschaftlicher Forschungen gemacht haben. Zum ersten Male taucht diese Sage in dem Geschichtswerke des im Jahre 128? gestorbenen Roger von Wcndower auf, eines Mönches der englischen Abtei St. Albans. Derselbe erzählt in seinem Werke „Flores Historiarum“: im Jahre 122« sei ein armenischer Erzbischof nach England gekommen und habe in der Abtei von St. Albans, als die Rede auf einen gewissen Joseph kam, der noch lebe, trotzdem er bei den Leiden Jesu zugegen gewesen, fest behauptet, jener Joseph habe noch vor seiner Abreise von Armenien an seiner Tafel gespeist. Ursprünglich hätte dieser rätselhafte Mensch Carthaphilos geheißen und als Türhüter des Pilatus den zögernden Jesus mit einem Faustschlage von der Schwelle getrieben, worauf der Gemißhandelte antwortete: „Ich gehe und Du wirst warten, bis ich wieder komme!" Zum ewigen Fortleben verdammt, habe sich der Türhüter bekehrt und von Ananias, der auch den Apostel Paulus taufte, den Namen Joseph erhalten. Aus diesem Geschichtswerke Rogers schöpfte der im Jahre 1259 gestorbene Matthäus Parisiensis, welcher in seiner lateinischen Chronik mit aller Vertrauensseligkeit der damaligen Zeit in einem sehr umfänglichen Bericht wiedergab, was Roger von jenem Erzbischof und von dessen Gefolge gehört haben wollte. Der erwähnte Erzbischof von Armenien scheint keine erdichtete Person zu sein, da Philipp Mouskas, Erzbischof von Touruai, die Sage von dem unsterblichen Türhüter des Pilatus fast gleichzeitig in Frankreich ver-

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