Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
Die Gutachten der Sachverständigen über den Konitzer Mord
Date
1904-01-01
Page
8 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2316602-2316714-2316716-2332679--11963-2332745
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

8 Vfai deutschen Reich. bluchaltig seilt werden; aber gerade jene Organe, welche in unserem Falle einen besonderen Grad von Blutfülle aufwiesen, wie Lungen und Gehirn, pflegen beim Verblutungstode ganz ausgesprochen blutleer gefunden zu werden; so sagt Oesterlen: „Auffallend blutleer ist das Gehirn. Besonders ausgesprochen pflegt die Anämie in den Lungen zu sein; diese werden vorzugsweise häufig blutleer angelroffen; rou ihrer aschgrauen Farbe heben sich dann die dunklen Pigmentflecken grell ab und ans ihrer zähen Schnittfläche können nur wenige Blutstropfen ausgedrückt werden. Ein mäßiger Blutgehalt der Lunge ist meist nur dann vorhanden, wenn vor der Verletzung oder durch diese herbeigeführt eine Entzündung der Lunge bestanden hatte oder wenn Sticknot dem Tode vorausgegangen war." Damit kämen wir allenfalls zur Auffassung jener Aerzte, welche eine Komplikation von Erstickung und Verblutung annehmen. Gegen eine Verblutung zu Lebzeiten spricht jedoch der Mangel jeglicher Reaktion am durchtrennten Gewebe des Halses, und eine solche wäre sicher nicht ausgeblieben, da doch der Derblutungstod nicht im Momente der Durchschneidung der Gefäße eintritt, sondern immerhin 2 — 3 Minuten bis zum vollständigen Erlöschen der Herztätigkeit verfließen. Ich habe gerade den Obduktionsbefund über einen Verblutungstod bei einem Knaben zur Hand — es ist dies der Ifantener Knabenmord (1891), bei welchem ebenfalls ein jüdischer' Schlächtermeister eines Ritualmordes verdächtigt, aber auf Antrag des Staatsanwaltes selbst freigefprochen wurde —, der uns ein typisches Bild des anatomischen Befundes bei dieser Todesart gibt. Es heißt dort: „Sämtliche Hauttrennungen am Halse sind mit frischem, meist geronnenem Blut teilweise unterlaufen, teilweise bedeckt . . , sämtliche Ränder an den durchschnittenen Muskeln, Nerven und Venen, sowie am Schlunde sind scharf, mehr oder weniger mit Blut unterlaufen; namentlich findet sich geronnenes schwarzes Blut in dem Zwischengewebe in der Nähe der durchschnittenen Gefäße. Die außerordentlich blutleeren Lungen sind in ihrer vorderen Hälfte blaß, nur in ihrer hinteren blaßrötlich. Der Kehlkopf und die Luftröhre sind auf ihrer Schleimhaut mit frischem geronnenen Blut bedeckt, welches sich bis in die kleineren fortseht. Der Schlund ist blaß .und leer. Die großen Gefäße der Brust sind blutleer, blaß, die Lungen auf dem Durchschnitt blutleer ..." Dieser Befund ist übrigens jedem Arzte geläufig, welcher derartige Sektionen bereits gemacht; ich selbst hatte seinerzeit einigemal

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.