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Im deutschen Reich · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. 5

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
Die Aufgaben der jüdischen Abgeordneten im neuen Landtage
Date
1904-01-01
Page
5 (sequence 5)
Language
German
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Die Aufgaben der jüdischen Abgeordneten im neuen Landtage. 5 Demnach scheint auch im Kultusministerium, dem „Ministerium für geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten" ein dem Judentum nicht gerade besonders günstiger Wind zu wehen, was hier und da bei Beratung des Kultusetats einer nähereu Beleuchtung wohl wert sein dürfte. Ueberhrupt ist von allen zur Verhandlung stehenden Etats der Kultusetat vom Standpunkt unserer konfessionellen Interessen sicherlich der wichtigste. Die Frage des Ordinariats jüdischer Lehrerinnen, welche vor einigen Jahren in den beteiligten Kreisen eine nicht geringe Erregung hervorrief, wird zweifellos wieder austauchen. Unbedingt aber wird der Kampf um die Schule entbrennen. Das Zentrum ist nach den Neuwahlen mindestens in demselben Maße Trumpf wie zuvor. Das Zentrum will aber die konfessionelle Schule. Was das bedeutet, daß mit der Einschränkung oder gar Beseitigung der Simultanschule zu Gunsten der konfessionellen Schule eine Verschärfung der konfessionellen Gegensätze herbeigeführt wird, worunter wir Juden in erster Reihe zu leiden haben würden, darüber ist man sich auch auf jüdischer Seite nicht überall klar. Nicht Beseitigung der Simultanschule, sondern Vermehrung im Interesse des konfessionellen Friedens und der Humanität müssen wir fordern. Auch andere Gründe zwingen uns dazu. Die meisten jüdischen Schulen hat die Provinz Posen aufzuweisen. Selbstverständlich sind damit nicht die Religionsschulen, sondern die Elementarschulen mit ausschließlich jüdischen Schülern und Lehrern gemeint. Es gibt deren dort im Ganzen 55 mit 72 Schulklassen, 68 Lehrern und 1702 Schülern. Wie man aus diesen kurzen statistischen Angaben ersieht, hat jede Klasse einen besonderen Lehrer, es sind 4 Lehrer weniger als Schulklassen vorhanden. Noch maßgebender für unsere Betrachtung ist der Umstand, daß 55 Schulen nur 52 Schulklassen enthalten, d. h. mit anderen Worten die Schulen sind meist einklassig. Verwundern kann das nicht, wenn man bedenkt, wie die jüdische Bevölkerung im Osten, vorzugsweise in der Provinz Posen, in den letzten 2 Jahrzehnten zurückgegangen ist. Zu dem allgemeinen beklagten Stillstand in den Geburten kommen hier noch die eigenartigen politischen Verhältnisse. Eingeengt Zwischen Nationalpolen und antisemitisch gesinnten Deutschen werden sie im wirtschaftlichen Kampfe allmählich ausgerieben und sehen sich der Not gehorchend, nicht dem eigenen Trieb, Zur Auswanderung genötigt. Daß bei diesen Zuständen.die Gemeinde-Institutionen zurückgehen, versteht sich füglicher Weise von selbst. Naturgemäß sind im Laufe der Jahre einstmals 4 klassige jüdische Schulen in 3 klassige, 3 klasstge in 2 klassige, 2 klassige in 1 klassige reduziert worden. Die meisten derselben

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