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Im deutschen Reich · 1903-12-01 · Heft 12 (Dezember 1903) · p. 742

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 12 (Dezember 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-12-01
Page
742 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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742 Im deutschen Reich. Religionsgespräch, über das ein hebräisches Manuskript ausführlich berichtet, welches durch einen günstigen Zufall in den Besitz des Vortragenden gelangt ist. Nach den Auszügen, die von dem Redner aus dieser interessanten Reliquie mitgeteilt wurden, erfreute sich damals in Hannover der jüdische Hofagent Lipvmann Cohn genannt Leffmann Behrens, dessen wohltätiges Wirken zu Gunsten seiner Glaubensgenossen ihm den Ehrentitel „Stadion" eingetragen hatte, der besonderen Gunst des damaligen Kurfürsten Georg Ludwig und der hochbegabten Kurfürstin-Mutter Sophie, deren Tochter als chie philosophische Königin Sophie Charlotte eine bedeutende Stelle in der Ruhmeshalle der Hohenzollern-Familie erworben hat. Leffmann Behrens war es, der wiederholt seine Stellung am Hofe aufs Spiel setzte, um Abwehr gegen Judenfeinde zu üben, der das Erscheinen der heute noch das A und O der antisemitischen Weisheit bildenden Schandschrift Eisenmengers zu inhibieren suchte und den Kurfürsten veranlaßte, auch jüdische Gelehrte anzuhören, als ein sich mit theologischem Wissen brüstender getaufter Jude seinen früheren Glauben am hannoverschen Hofe verleumdete. Auf Behrens' Betreiben wurde der ans Metz gebürtige, in Stadthagen wohnhafte jüdijche Gelehrte Joseph ben Samson nach Hannover berufen. Hier hatte er, unterstützt von dem hannöverschen gelehrten Rabbi Aron Abterode, in Anwesenheit des ganzen versammelten Hofes und der christlichen Geistlichkeit, an deren Spitze Abt Molanus erschienen war, die jüdische Religion gegen den Apostaten zu verteidigen, der das Christentum auf Kosten der Mutterreligion mit endlosen Phrasen ohne rechten Inhalt zu verherrlichen suchte. Die Freundlichkeit der Kurfürstin Sophie und des Abtes Molanus ermutigte den jüdischen Disputator, diesem Wortschwall Einhalt zu tun und auf die wenigen Fragen, auf die sich infolge eines kurfürstlichen Befehls sein Gegner schließlich beschränken mußte, sachgemäße Antworten zu erteilen. Dabei überführte er seinen Gegner der gröbsten Unwissenheit, nicht nur in Bezug auf das Alte Testament, sondern sogar auch auf das Evangelium, besonders aber eines Mangels jeden Verständnisses für das Buch Sohar, auf das sich jener zum Beweis für die angebliche Gefährlichkeit einer jüdischen Geheimlehre zu beziehen gewagt hatte. Der dadurch bereits verwirrte Apostat wurde hierauf durch den Einwurf des Kurfürsten: „Was haben die Juden nötig, sich taufen zu lassend" noch mehr aus der Fassung gebracht und ganz verblüfft, als Joseph ben Samson auf feine Frage: „Welche Religion er für die bessere halte?", die Antwort gab: „Wir Juden verdammen keinen, der an den Schöpfer des Himmels und der Erde glaubt'" Den Abschluß des Religionsgesprächs in Hannover

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