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Im deutschen Reich · 1903-12-01 · Heft 12 (Dezember 1903) · p. 741

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 12 (Dezember 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-12-01
Page
741 (sequence 5)
Language
German
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Vereinsnachrichten. 741 Erkärung gezollt; nach Eröffnung der freien Aussprache erfolgte nur eine kurze Auseinandersetzung über die Personen, welche den Aufruf der „Toleranz" unterzeichnet haben, wobei vom Vorstandstische aus die Annahme, daß der eine Unterzeichner mit dem früheren Privatsekretär Laskers identisch sei, auf eine Personenverwechselung zurückgeführt wurde. Hierauf wurde die Versammlung in der üblichen Weise geschloffen. In den Bismarck-Sälen, Berlin 0., Neue Grünftraße 28, hielten am 24. November d. Js. die in Berlin 0. wohnhaften Mitglieder des Central-Vereins eine Versammlung ab. Der Vorsitzende, Herr vr. ineä. Wiesenthal, leitete dieselbe mit einer kurzen Ansprache ein. Alsdann hielt Herr Landrabbiner Dr. A. Lewinsky aus Hildesheim einen einstündigen Vertrag über „eine Disputation vor zwei Jahrhunderten". Der Redner wies darauf hin, daß schon in uralten Zeiten Religionsgespräche zwischen Juden und Heiden für die Geisteskraft der israelitischen Denker ein günstiges Zeugnis abgelegt hätten, daß jüdische Gelehrte auch im Mittelalter zu solchen geistigen Turnieren befohlen worden seien, aber diese Disputationen zwischen Christen und Juden gewöhnlich traurige Verfolgungen der Partei zur Folge hatten, deren Vertreter im Geisteskampf nicht unterlegen waren. So wurden im Jahre 1240, nachdem in Paris am Hofe Ludwigs IX. Rabbi Jechiel mit einem Renegaten erfolgreich über die religiösen Meinungsverschiedenheiten gestritten hatte, 24 Wagen mit Talmud-Exemplaren den Flammen übergeben, die jüdischen Lehrhäuser nach solchen Schriften durchsucht und jeder Besitzer derselben mit harten Strafen bedroht. Aehnlich war, nachdem der jüdische Gelehrte Ramban am Hofe Jakobs I. von Arragonien sich mit Fra Paolo herumgesüitten, der geistige Erfolg auf der Seite des Juden, der praktische auf der des Renegaten. Auch die 150 Jahre später veranstaltete, zu einer großen Staatsaktion ausgebildete Disputation zu Tortosa, welche 68 Sitzungen in Anspruch nahm, verbesserte die Stellung der Juden keineswegs. Ein im 16. Jahrhundert in Poppelsdorf bei Bonn stattgehabtes öffentliches Religionsgespräch hatte die Ausweisung der Juden aus der Niederrhein-Provinz zur Folge, so daß die Juden keinen Grund hatten, es freudig zu begrüßen, als im 18. Jahrhundert die Lust an solchen Disputationen wieder neu erwachte. Welchen Schmähungen die jüdischen Streiter bei solchen Geistesturnieren ausgesetzt waren, geht aus einer Schrift des Gymnasialdirektors Johann Jacob Schudt hervor, der u. a. mit sichtlicher Befriedigung berichtet, was bei einer solchen Gelegenheit ein stolzer und reicher Hofjude zu erdulden hatte. Einen angenehmeren Verlaus batte ein im Jahre 1704 im Leineschloß zu Hannover veranstaltetes

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