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Im deutschen Reich · 1903-12-01 · Heft 12 (Dezember 1903) · p. 740

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 12 (Dezember 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-12-01
Page
740 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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740 Im deutschen Reich. Antisemitismus zu bekämpfen. Zu diesem letzteren gehöre der Versuch des Münchener Kunsthändlers Sebastian Osterrieder, Postkarten mit einer Abbildung der angeblichen Hinschlachtung Simons von Triem in einem Prospekt mit der Bemerkung anzupreisen, daß dieselben einen Nachweis für das Vorkommen von Ritualmorden darstellten. Diese Ansichtskarten und das straffällige' Zirkular seien beschlagnahmt und gegen Osterrieder sei ein Strafverfahren eingeleitet worden. Als in der „Staatsbürger-Zeitung" und der „Germania" kürzlich mehrere das Deutschtum verletzende Strophen eines wiederholt in Heilanstalten untergebracht gewesenen Pforzheimer Goldwarenhändlers als „jüdische Frechheiten" hingestellt worden seien, habe der Vorstand die Redaktionen aus den Geisteszustand des bedauernswerten Dichters und darauf aufmerksam gemacht, daß derselbe Mann, dessen Phantasien sie jetzt als jüdisch bezeichnet hätten, von ihnen s. Z., als er die Rabbiner beschimpfte, als antisemitischer Gewährsmann hingestellt worden sei. Während darauf die „Germania" die Ehrlichkeit besessen habe, ihren Irrtum einzugestehen, habe die „Staatsbürger-Zeitung" den Appell auf ihre so oft betonte Wahrheitsliebe weislich unberücksichtigt gelassen. Wenn auch die Annahme, daß es mit der Antisemitenpresse abwärts gehe, durch die Verschmelzung der Liebermann'schen Organe mit dem Hamburger „Deutschen Blatt" Friedrichs Raabs bekräftigt werde gelte es dennoch, aus der Wacht zu bleiben. Der Kampf um die Wahlen für die Akademische Lesehalle sei durch ein Flugblatt Alter Herren des Vereins deutscher Studenten mit einem Citat aus den Werken des Professors Paulsen heftig eingeleitet worden. Der Central-Verein, der den sich alljährlich fortpslanzenden Unfrieden beklagt, welcher die studierende Jugend verhindert, sich friedlich der gemeinsamen akademischen Arbeit zu widmen, wird jetzt und künftig bereit sein, den jüdischen Studenten bei einer einmütigen Zurückweisung einer solchen Herausforderung einen Rückhalt zu bieten. (Lebhafte Zustimmung). Die gutdeutsche Gesinnung habe im Central- Verein stets eine Heimstätte; was aber neuerdings den Juden als Pflege solcher Gesinnung durch die „völkische" „Toleranz" angepriesen wurde, sei von ganz unklarer Tendenz und scheine nur dazu bestimmt, für den Anschluß an Parteien zu werben, die sich in ihrem Programm und durch ihre Taten als judenfeindlich erwiesen hätten. Durch den Kotau vor solchen Parteien könne man unmöglich das Ansehen der Juden heben. Man müsse vielmehr ernstlich vor falschen Freunden warnen, welche die Juden verleiten wollen, Kreise zu suchen, die sich ihre Unterstützung wohl gefallen lassen, aber sonst fast jede Gemeinsamkeit mit ihnen ablehnen. — Lebhafter Beifall wurde dieser

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