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Im deutschen Reich · 1903-12-01 · Heft 12 (Dezember 1903) · p. 739

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 12 (Dezember 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-12-01
Page
739 (sequence 3)
Language
German
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Vereinsnachrichten. 739 vielen andern Beispielen aus dem reichen Litteraturschatze den sittlichen Wert der heiligen Sprache, die es wohl verdiene, daß der für alles Schöne und Edle begeisterte deutsche Jude auch sie bei aller Wertschätzung der vaterländischen deutschen Kultur und Ethik mit Stolz und Freude zum Gegenstand der Forschung mache. Ihre treue Pflege gehöre mit zu der Abwehr, die wir nach zwei Fronten zu üben haben, nach außen gegen den Antisemitismus, nach innen gegen Abfall und Abtrünnigkeit. Wir müssen es der Welt sagen, daß es unrichtig ist, von einem „Joch der Thora" zu reden, denn Thora heißt nicht „Gesetz", sondern „Lehre" und ist als solche keine Last, sondern ein Schatz. Am Schluffe seiner Ausführungen verglich der Vortragende Israel mit einem Schwan, der, wenn ihn Buben mit Kot bewerfen, zuweilen selbst vonGereiftereu als häßlich angesehen wird, aber nur in die reine Flut seiner heiligen Schrift zu tauchen braucht, um mit reinem silberglänzenden Gefieder wieder emporzukommen, und zu künden: „Wie die Gotteslehre also auch die heilige Sprache war, ist und bleibt der sittliche Faktor der israelitischen Volksseele!" — Lauganhaltender, rauschender Beifall folgte den mit rhetorischer Meisterschaft vorgetragenen wissenschaftlichen Ausführungen; dann drückte der Vorsitzende dem Redner den Dank des Vorstandes aus und veranlaßte die Versammlung, dem bereits in begeisterter Weise spontan kuudgegebenen Dank für den gebotenen geistigen Genuß durch Erheben von den Sitzen einen nochmaligen Ausdruck zu verleihen. — Nach kurzer Pause widmete Herr Rechtsanwalt vr. Lövinson dem am 1. November dahingeschiedeuen Altmeister der Geschichtskunde und freisinnigen Volksfreund Dr. Theodor Mommsen einen tiefempfundenen Nachruf', indem er die Verdienste des Heimgegangenen um die Abwehr des Antisemitismus würdigte, an seine Anregung der Notablen-Erklärung im Jahre 1380 und an seine Auseinandersetzung mit Treitschke erinnerte und betonte, daß es nicht Feigheit, sondern die Absicht der Verhinderung weiterer Mißverständnisse war, wenn Mommsen in der späteren Ausgabe seiner „Römischen Geschichte" den von Treitschke und seinen antisemitischen Nachbetern aus dem Zusammenhang gerissenen Satz strich, daß die Juden zur Zeit Caesars das Ferment der nationalen Dekomposition gewesen seien. Hoffentlich werde die freiheitliche Geistessaat Mommsens dem deutschen Volke nicht verloren gehen und die jetzt vielfach andern Führern folgende studiernde Jugend sich wieder von den Schwarmgeistern abwenden und auf dem von Mommsen vorgezeichneten Pfade dem deutschen Volke eine bessere Zukunft, den deutschen' Judendie ungeschmälerte Gleichberechtigung sichern. Der Centralverein aber habe heute noch neben dem wissenschaftlichen auch den geschäftlichen

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