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Im deutschen Reich · 1903-12-01 · Heft 12 (Dezember 1903) · p. 738

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 12 (Dezember 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-12-01
Page
738 (sequence 2)
Language
German
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738 Im deutschen Reich. würde nicht nur der Jude, sondern auch unbefangene Sprachforscher zugestehen müssen, daß diese in der wunderbaren Eigenschaft, weitumfasfende und tiefe Gedanken auszudrücken und schöpferisch anzuregen, unübertroffen sei. Ihre religiös-ethisch-psychologische Bedeutung lasse sich vorzüglich an den hebräischen Bezeichnungen für Gott, Welt und Menschen erkennen. In geistreicher Weise zeigte nun der Vortragende an den verschiedenen Ausdrücken für das höchste Wesen, für das Weltall und für eine ganze Reihe bekannter alttestamentlicher Namen, wie sich an jeden einzelnen derselben tiefe und weit umfassende Gedanken knüpfen. Die aesthetische Bedeutung der hebräischen Sprache schätzte der Redner weit höher ein als den griechischen Euphemismus, denn so arm sie sich an Bezeichnungen für Unziemliches erweise, so unerschöpflich fast sei sie an Ausdrücken für das Lob des Höchsten und für alles Große und Edle. Darauf habe selbst der deutsche Dichter- Herder mit bewundernden Worten hingewiesen; wir Juden empfinden es aber besonders bei der auffallenden Worthäufung der Lobpreisung Gottes im Kadisch-Gebete. Eharakteristisch sei es, daß der Hebräer für den Gottesleugner nur den Ausdruck „der Andere", für den menschlichen Körper nur eine, für die Seele aber nicht weniger als fünf Bezeichnungen habe. Galt die hebräische Sprache wegen ihres religiösethischen Wortes als ..Laselion gaboha“ („hohe" Sprache), wegen ihrer ästhetischen Eigenschaft als ..Lascnon nekija“ („reine" Sprache), so nannte man sie wegen ihrer rein ethischen Wirkungen ..Lascbon hakoctescli" („heilige" Sprache). Diese dritte Seite ihrer Bedeutung präge sich als reine Ethik des sittlichen Willens besonders erhebend in dem jüdischen Familienleben aus, dessen Vorzüge selbst von vielen Nichtjuden voll anerkannt werden. Wenn von judenfeindlicher Seite dagegen behauptet werde, daß die jüdischen Heiraten selten aus Liebe, zumeist aus Berechnung erfolgen und die Stellung der jüdischen Frau keine ebenbürtige sei, so werde diese Behauptung nicht nur durch die Geschichte, sondern auch durch die Sprache der Hebräer überzeugend widerlegt. Ein Stamm, dessen Sprache die Frau ..Ischa*,; (Männin), also als gleichberechtigte Genossin des Mannes, die Braut als (Geheiligte), den Sohn als ..Benu (Erbauender), die Tochter als „Batbr (Häusliche), die Erziehung als ,.Ckimickc: (Weihung) bezeichnen, brauche sich kaum gegen solche Vorwürfe Zu verteidigen. Aehnlich verhalte es sich mit den Vorwürfen der Geldsucht, des Mammonsdienstes, der Glücksjägerei u. f. w., denn die hebräische Sprache hat für Handel und Geschäft nur das sozialethische Wort ..^lassuumatton^ (Tragen und Geben), für Geld fast nur die Worte ..Kessef wesahab“ i Silber und Gold, d. h. das Verbleichende und Glänzende-Schwindende). Der Redner zeigte noch an

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