Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-12-01
- Page
- 737 (sequence 1)
- Language
- German
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737 Ueremsrmchrichlen. Mte am 16. November im Saale des „Geselligen Vereins der Gesellschaft der Freunde", Berlin W.. Potsdamerstraße 9, veranstaltete allgemeine Versammlung des Central-Vereins hat wiederum einen so zahlreichen Zuspruch gefunden, daß der Saal bis auf den letzten Platz dicht gefüllt war. Da die beiden Vorsitzenden des Vorstandes durch ihre Teilnahme an einer auswärtigen Versammlung an der Leitung der Berliner Versammlung verhindert waren, wurde diese von dem Vorsitzenden der Rechtsschutz-Kommission, Herrn Rechtsanwalt Dr. M. Lövinson, eröffnet, der nach einer kurzen Begrüßungsansprache Herrn Dr. D. Leimdörfer, Prediger am israelitischen Tempel in Hamburg, das Wort zn einem Vortrage über „Die Sprache als ethischer Faktor der israelitischen Volksseele" erteilte. Anknüpfend an einen Ausspruch Herders, dessen hundertster Todestag nahe bevorsteht, betonte der Vortragende, daß jede Sprache, die Charaktere bilde, eine Ethik habe, und daß dieser Vorzug ganz besonders der hebräischen Sprache zugesprochen werden müsse. Von der Sprache der Bibel, der Propheten und Psalmisten ströme eine ethische Vollendung aus; Professor Dr. Lazarus habe in seinem monumentalen Werke erklärt, daß sich die Ethik des Judentums auf ein einziges hebräisches Wort,,Keduscliau (Heiligung) zurückführen lasse. Wenn man dieser heiligen Sprache die Bedeutung eines ethischen Faktors der israelitischen Volksseele zusprechen wolle, könne man die Frage „Wann ist die Volksseele ethisch" nicht anders beantworten als: „Dann, wenn sie sittlich denkt, 'empfindet, und wirkt." In einem Vereine, der sich das Ziel gesteckt, nicht nur die Rechte der Juden zu verteidigen, sondern auch die ideale Ehre des Judentums zu Pflegen, sei es sicher von Interesse, zu beweisen, daß die hebräische Sprache in hohem Grade geeignet fei, der israelitischen Volksseele als sittlicher Faktor zu dienen. Der Beweis dafür sei nach drei Richtungen zu führen, nach der religiös-ethisch-psychologischen, nach der ästhetischen und nach der strengethischen Seite. .Jeder deutsche Jude werde die Schönheit der deutschen Sprache rückhaltlos anerkennen, aber bei einer eingehenden Beschäftigung mit der hebräischen Svrache