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Im deutschen Reich · 1903-12-01 · Heft 12 (Dezember 1903) · p. 724

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 12 (Dezember 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-12-01
Page
724 (sequence 10)
Language
German
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\)iu vcuijuieu vvaa) Der nächste Zeuge, General Beckman, konnte keine Antwort geben, als man ihn fragte, warum er mit seinen 5000 9Jlamt in der Garnison nicht die Polizei unterstützt habe, um die Ruhe herzustellen. Der dritte Zeuge Jagin, ein Korrespondent der „Odessa Nowosti", erklärte, daß die Angeklagten nur verführte Leute seien, die nicht gewußt hätten, was sie taten, und daß man den Urheber anderswo suchen müsse. Er wurde aber angewiesen, über niemand zu sprechen, der nicht angeklagt sei. Der Verteidiger der Beschuldigten protestierte gegen diese Einschränkung und meinte, daß der Prozeß dazu führen müsse, den Urheber zu entdecken. Wo man die Urheber der Metzeleien in Kischinew zu suchen hat, darüber ist wohl niemand mehr im Zweifel, aber dort wie anderwärts werden sich die Richter damit begnügen müssen, diejenigen zu bestrafen, welche die Pfeile abgeschossen haben, weil ihnen diejenigen unerreichbar sind, welche diese Pfeile geschärft haben. Trotz der sonst bei Russen streng beobachteten Sonntagsruhe bei Gericht wurde in Kischinew auch am Sonntag verhandelt, vr. Szinsky, seit einigen Wochen der Nachfolger des tags vorher vernommenen Bürgermeisters Schmidt, war während der Exzesse Primararzt im städtischen Krankenhause, wo er 62 verwundete Juden zu behandeln hatte. Ms Zeuge erklärte er, daß die Juden gerade in letzter Zeit zahlreich durch schwere körperliche Arbeit ihr Brot verdienten und unter ihnen viele Handwerker seien. Wenn in Kischinew viele Juden durch Handel reich wurden, so sei dies auch bei vielen Armeniern, Griechen und Bulgaren der Fall gewesen. Der Regimentsarzt Miller sagte aus, er habe sich persönlich von vielen vorgekommenen Mißhandlungen und Plünderungen überzeugt; alles sei unter den Augen der Polizei und des Militärs geschehen. Er habe vergeblich den Gouverneur um Schutz für die Juden gebeten. Der Polizeiinspektor Witkowsky erklärte, er habe 14 Tage vor Ausbruch der Unruhen ein geheimes Rundschreiben, das an die Schankwirte der Stadt gerichtet war, in die Hand bekommen, worin diese aufgefordert wurden, ihre Gäste zur Teilnahme an der Aktion gegen die Juden aufzufordern. Er habe dieses Schreiben dem Pristaw Solonkin übergeben, der es aber unbeachtet ließ. Daraus habe er sich Weisungen vom Gendarmerie- Obersten Chansenkow erbeten, der jedoch erwidert habe: „Die Juden müssen sich selbst helfen, wir können ihnen nicht Beistand leisten." Rechtsanwalt Kömgschatz bekundete, beobachtet zu haben, wie die ausgestellten Truppen den Vorüberziehenden den Weg zu Plünderungen sreigaben. Die Polizei sei ganz untätig geblieben. Der Primarius Slutzky am Judenspital bestätigte aus eigener Beobachtung, daß

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