Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1903-12-01 · Heft 12 (Dezember 1903) · p. 720

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 12 (Dezember 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-12-01
Page
720 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316701-2316713--11841-2332596
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

720 Im deutschen Reich. Preisen verkauft" hätten. Die Juden seien „wahre Schlachtenräuber und vernichteten den Ruf des Heeres!" Bekanntlich sind die trefflichen Dienste, welche die jüdischen Armeelieferanten durch Verproviantierung des deutschen Heeres lediglich mit heimischen Erzeugnissen geleistet haben, von höchster Stelle vielfach anerkannt worden; es konnten im Kriege Requisitionen von Zivilpersonen garnicht, von militärischer Seite auch nur auf Anordnung ausgeführt werden. Daß die Sozialdemokraten bei den Reichetagswahlen sich mehrfach auf freundschaftliches Abkommen mit den Antisemiten einließen, daß schon 1899 bei den badischen Landtagswahlen zwei Drittel der antisemitischen Wahlmänner im Kr iseKarlsruhe-Land für den sozialdemokratischen Kandidaten stimmten, dem nur 4 Stimmen zum Siege fehlten, und daß in demselben Wahlkreise bei den jüngsten badischen Wahlen die Antisemiten es den Sozialdemokraten ermöglichten, den letzten Konservativen aus der badischen Kammer zu verdrängen, alles dies spricht deutlich dafür, daß das politische Parteiintereffe auch bei den Sozialdemokraten jedes feste Bündnis mit den Juden ausschließt. Wo bei dieser Partei sich in solchen Fällen, in denen Juden anderen Fraktionen zu Erfolgen verhelfen, der Mißmut Luft macht, geschieht dies sogar in Ausdrücken, die dem antisemitischen Jargon entlehnt scheinen. Als der „Vorwärts" über die Landtagswahlen in Nassau und in Frankfurt a. M. berichtete und sich über die Erfolge der „Freisinns-Demokratie" ausließ, schrieb er wörtlich: „Natürlich ist die Frankfurter Sonnemannokratie jetzt Mansche oben ob dieses Wahlsieges" und vergröberte den Eindruck dieser Redensart später noch in einer Polemik gegen die „Voss. Ztg.", welche diese rednerische Entgleisung getadelt hatte, durch die Bemerkung, daß sie diese Wendung — sehr hübsch finde! Nun — bei denpreußffchenLandtagswahlen ist die Sozialdemokratie schließlich doch nicht „Mansche oben!" geworden, und im Reichstage wird sie das bei den Wahlen Errungene kaum anders und besser verwerten können als zum Widerstand gegen jeden off nen oder versteckren Angriff auf die Gleichberechtigung aller Bürger. Auch der radikale Antisemitismus hat bei den preußischen Landtagswablen keine besonderen Erfolge erzielt; denn der im hessischen Kreise Herzfeld-Rotenburg gewählte Ludwig Werner, der bekannte frühere Mitarbeiter des jüdischen Journalrften vr. Hamburger, wird als der einzige Vertreter der antisemitischen Reformpartei mit dem einzigen Vertreter der deutschsozialen Partei, Amtsrichter Lattmann, der im Kreise Kassel-Land durchdrang, sich schwer verständigen können. Daß Liebermann von Sonnenberg infolge der ablehnenden Haltung des Bundes der Landwirte einer Wahlniederlage nur durch frühzeitigen Verzicht auf jede

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.