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Im deutschen Reich · 1903-12-01 · Heft 12 (Dezember 1903) · p. 718

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 12 (Dezember 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-12-01
Page
718 (sequence 4)
Language
German
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718 Im deutschen Reich. „Vereinigung deutsch-nationaler Juden", die „völkische Toleranz", uns zuzumuten wagt, wenn es empfiehlt, den Kampf gegen den Antisemitismus in der Art zu führen, daß man dieser für Deutschland und für die Juden verderblichen Bewegung eine mindestens teilweise Berechtigung zugesteht, daß man seine politische Gesinnung opfert und sich in den Dienst jener rückschrittlichen Parteien stellt, die unter der täuschenden „deutsch-nationalen" Flagge nicht nur die Juden zu entrechten, sondern auch alle anderen Errungenschaften des deutschen Dölkerstühlings zu vernichten streben. Während gewiß die große Mehrheit der Deutschen es beklagt, daß im deutschen Heere die Gleichberechtigung der Juden noch keine Geltung hat, da der jüdische Soldat selbst bei der besten Führung und Leistungsfähigkeit die verdiente Beförderung nicht erreichen kann, verteidigte die „Toleranz" diesen bedauerlichen Zustand, indem sie in der Nr. 18 vom 4. Oktober sagte: „Ein Vorurteil ist es unseres Erachtens auch, wenn die Juden wähnen, eine ungerechtfertigte Zurücksetzung im Heere zu erfahren. Man muß die Verhältnisse berücksichtigen und vor allem, wie sich die Juden selbst zu dem Militarismus und den übrigen nationalen Fragen stellen." Daß von maßgebender Seite der jüdische Soldat in Deutschland nicht für würdig erachtet wird, die Epauletten zu tragen, das müssen wir als Männer von Ehre als eine „ungerechtfertigte Zurücksetzung" empfinden! Eine weitere unzulässige Zumutung enthält das Programm der neuen Vereinigung, indem es verlangt, in der Sozialdemokratie das schlimmste Uebel, in dem Radikalismus der Inden den Hauptnährboden des gesellschaftlichen und des Rassenantisemitismus zu erblicken. Der Antisemitismus ist unendlich älter als die Sozialdemokratie und als der Radikalismus einzelner Juden; er wurzelt in den schlechtesten Instinkten der Massen, in Neid und Argwohn, Rassen- und Religionshaß; er würde deshalb durch die etwa von Juden den Nationalliberalen oder Konservativen geleistete Heeresfolge nie und nimmer aus der Welt geschafft werden. Aehnliche Locktone wie von der „Toleranz" haben wir schon früher vernommen; Rathenaus „Höre Israel" enthielt zwar nicht so deutliche Zumutungen, sondern zunächst nur die Forderung der Haltung und Formen des Parketts, aber in verhüllter Weise drückte er doch auch schon den Wunsch einzelner gesättigter Existenzen in der Judenheit aus, daß sich ihre sämtlichen Glaubensgenossen von jeder politischen Opposition lossagen möchten, um nur einzelnen bevorzugten Juden die Berührung mit den vornehmsten gesellschaftlichen Kreisen zu erleichtern. Die antisemitische Presse hat in ihren fast täglichen Besprechungen der von der „Toleranz" eingeleiteten Bewegung daraus

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