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Im deutschen Reich · 1903-12-01 · Heft 12 (Dezember 1903) · p. 717

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 12 (Dezember 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-12-01
Page
717 (sequence 3)
Language
German
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Umschau. 717 Wehe von der Unverletzlichkeit der bürgerlichen Freiheit und der Gleichberechtigung aller Bevölkerungsschichtcn abhängt, Anläufe zeigen, auf anoere Bruchteile der Bevölkerung geringschätzig herabzusehen, sie mißtrauisch zu betrachten, sie anzufeinden, oder doch mindestens zu verhöhnen. Und doch ist nur der Staat auf dem Wege zur Wohlfahrt, in dem alle Bürger, hoch und niedrig, berufen, berechtigt und bereit sind, pflichttreu und opferfreudig mitzuarbeiten an allen Werken, die dem Wohle der Gesamtheit dienen. Wo sich der Staat in lauter Interessengruppen spaltet, wird eine solche segensreiche gemeinsame Arbeit schwer gefährdet, wenn nicht ganz unmöglich. Wer den Stand des jetzigen Parteiwesens in Deutschland unbefangen von diesem Gesichtspunkte aus beurteilt, kann ihn nur als einen unerfreulichen bezeichnen. Es kann nur besser werden, wenn wieder die Ichsucht zurückgedrängt und ein wahrhaft idealer Zug in das Volksleben gebracht und nicht nur die zeitweise größere Behaglichkeit einzelner, sondern die Wohlfahrt aller Bürger zum Ziele aller Bestrebungen gemacht wird. Dafür die Begeisterung zu entfachen, dahin zu wirken und zu streben, ist eine würdige Arbeit, an der sich die deutschen Bürger jüdischen Glaubens eifrig beteiligen sollten. Man hat uns die Jahrhunderte hindurch unrechtmäßig vorenthaltene Gleichberechtigung im vorigen Jahrhundert durch Verfassung und Gesetz zugestanden, wenn auch heute noch nicht vollständig gewährt; wir aber wollen sie durch eine ideale Gesinnung verdienen und erringen. Dazu brauchen wir die Begründung einer neuen „Vereinigung deutsch-nationaler Juden" nicht; denn die selbstloseste Liebe zum deutschen Vaterlande.ist von dem deutschen Juden stets mit Gut und Blut besiegelt worden. Wir haben dem Staate stets ohne Aussicht auf Lohn und Lob freudig gedient und gern an allen gemeinnützigen Werken mitgearbeitet, wo unsere Mitarbeit verlangt oder auch nur zugelassen wurde. Wenn einzelne deulsche Juden sich mitunter zur Opposition hielten, so geschah es, weil sie dies als deutsche Staatsbürger für ihre Pflicht hielten, angesichts von Gefahren für die gemeinsame Kulturarbeit oder solchen Ltrömungen, deren Emdämmung ihnen nicht nur im Interesse ihrer Stammesgenossen, sondern der Gesamtheit zu liegen schien. Hervorragende Mische liberale Politiker haben immer in Fragen, wo ihre politische Ueberzeugung mit dem Wohle jüdischer Gemeinden sich schwer in Einklang, bringen ließ, nicht gezögert, ihrer Ueberzeugung schwere Opfer zu bringen, welche ihnen von vielen Glaubensgenossen verdacht wurden. Eine Grenze hat aber uniere Opferfreudigkeit und muß sie haben; unser Recht und unsere Ehre dürfen wir nicht opfern. Das aber ist es, was das Organ der neuen

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