Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1903)
- Article
- Die Central-Vereins-Versammlung in Posen
- Date
- 1903-12-01
- Page
- 714 (sequence 7)
- Language
- German
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714 Im deutschen Reich. ordentlichen Bestandteil der Bevölkerung. Diese Stellung wird untergraben einerseits vom Zionismus, andererseits durch die Presse,, die da sagt: Jude sein, Jude sein! Staatsbürgerliche Rechte aufzugeben ist ein Verbrechen, hier im Osten ein doppeltes Verbrechen. Vor der übersprudelnden Art und Weise einer gewissen jüdischen Presse muß der Central-Verein warnen. Wetter haben sich in der letzten Zeit die Ausweisungen jüdischer Mitbürger im Osten, in Posen, vermehrt. Gegen diese maßlose Ungerechtigkeit habe ich eine teilweise erfolgreiche Tätigkeit entfaltet. In letzter Zeit kommt aber vom Oberprästdium das Wort: es wird daran nichts geändert. Auch das Ministerium hat sich neuerdings auf diesen ablehnenden Standpunkt gestellt. In der Oeffentlichkeit kann nicht genug betont werden, daß Juden ihres Glaubens wegen ausgewiesen werden. Hierin muß der Central-Verein Wandel schaffen." (Lebhaftes Bravo.) Dr. Loewe, der für den Zionismus eintrat, wurde durch vielfache Zwischenrufe gestört. Nachdem er etwa 8 Minuten gesprochen, ertönten von allen Seiten Schlußrufe, sodaß der Redner abbrechen mußte. — Einem Vertreter der Synagogen-Gemeinde Schönlanke, der erst dem. Central-Verein für seine Tätigkeit namens der Gemeinde feinen Dank aussprach und sich dann als Zionisten-Delegierter darstellte, wurde schließlich von der Versammlung das Wort abgeschnitten. Nunmehr wies Rechtsanwalt vr. Horwitz im Schlußwort darauf hin, daß ein Diskussionsredner behauptet habe, der Central- Verein leiste gar so wenig. Jedenfalls beweise der heutige Abend, daß der Central-Verein tolerant sei. Vier Zionisten hätten daraus hingewiesen, daß das Heil allein von den Zionisten komme. „Wir sind nicht hierher gekommen, um einer Auseinandersetzung mit dem 'Zionismus aus dem Wege zu gehen. Wir wollten in der Aussprache mit unseren Posener Mitgliedern und den Gasten hören, was hier Nötig ist. Rechtsanwalt Placzek ist der einzige gewesen, der in der Versammlung positive Wünsche vorgebracht hat. Wenn die Presse einen Ton beobachtet, der das Judentum kompromittiert, kann der Central-Verein dies nur bedauern, aber nicht ändern; hier könnte nur das Publikum selbst Besserung schaffen, soweit es nötig wäre. Auch gegen die Anweisungen von Juden hat der Central-Verein schon mit Erfolg (operiert, auch auf diesem Gebiete ist schon manches gelindert worden." Redner schloß mit einem herzlichen Dank des Vorstandes an die Erschienenen. Hieraus wurde die Versammlung geschlossen, die trotz der stürmischen Zwischenfälle wesentlich dazu beigetragen hat, die Sache des Central-Vereins bedeutend zu fördern, und ihr in der Provinz Posen immer neue Sympathien zu erwerben. Was die beiden Vor-